Das Heldenbrevier der Dampfenden Dschungel
Seitenzahl: 160 Seiten
Autor: Carolina Möbis
Cover: Janina Robben und Nadine Schäkel
Illustration: Keine Angabe
Region: Meridiana
Erschienen: 03. September 2020
Bei: Ulisses
Buchnummer: Ab Roman Nr. 156 nicht mehr vergeben
Erhältlich bei: Ulisses
Inhalt „Das Heldenbrevier der Dampfenden Dschungel“
Einmal mehr begibt sich die horasische Gelehrte Yalsinia ya Tarcallo, ihres Zeichens Völkerkundlerin und Leiterin der Aves-Schule der Universität von Methumis, auf eine Reise in den Tiefen Süden. Ihr Forschungsbestreben gilt diesmal den Gerüchten vom Aufkommen neuartiger Todeskulte unter den Stämmen der Waldmenschen und Utulus, welche die Dampfenden Dschungel bevölkern. Selten jedoch verlaufen ihre Expeditionen wie geplant, und so schätzt sie sich glücklich, die Bekanntschaft des jungen Nepi-Luhan vom Stamm der Napewanha zu machen, der sich auf seiner ganzen eigenen Mission befindet …
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer
Zusatzinformationen:
Dies ist das Heldenbrevier zu Die Dampfenden Dschungel.
Bewertung der Redaktion
- Bewertung
Fazit
Einleitung
Eigentlich lese ich mich weiterhin chronologisch durch die DSA-Romanreihe, doch zwischendurch hatte ich einfach Lust auf ein kleines aventurisches Zwischenspiel – und zwar als Hörbuch. Nachdem mir das Heldenbrevier Havena von Carolina Möbis bereits sehr gut gefallen hatte, fiel meine Wahl diesmal auf „Das Heldenbrevier der Dampfenden Dschungel“. Schon das Thema versprach eine deutliche Abwechslung: Statt düsterer Gassen und eines beinahe kriminalistischen Falls geht es diesmal tief hinein in den Süden Aventuriens, zu Waldmenschen, Utulus, fremden Inseln und in eine Natur, die selbst zu einem der größten Gegner der Reisenden werden kann. Das Heldenbrevier ist dabei als Ergänzung zur Regionalspielhilfe Die Dampfenden Dschungel angelegt und spielt im Jahr 1042 BF; zudem bildet es die Vorgeschichte zum Abenteuer Jadegrün und Kobaltblau. Wie gut diese besondere Dschungelexpedition funktioniert hat und wo ich beim Hören teilweise selbst im sprichwörtlichen Dickicht verloren gegangen bin, erfahrt ihr wie immer am Ende in meiner persönlichen Meinung.
Inhalt
Wie für ein Heldenbrevier typisch, handelt es sich auch hier nicht um einen klassischen Roman mit durchgehendem neutralem Erzähler. Stattdessen wird die Region aus Ingame-Perspektiven erschlossen. Der größte Teil besteht aus den Expeditionsaufzeichnungen der horasischen Gelehrten Yalsinia ya Tarcallo, später kommen auch andere Blickwinkel hinzu. Ergänzt werden diese Berichte durch Tayas, also Erzählungen und Überlieferungen der Waldmenschen und Utulus. Genau diese Mischung soll weniger eine nüchterne Regionalbeschreibung ersetzen, sondern das Leben, Denken und Reisen im Tiefen Süden greifbar machen.
Das Buch umfasst sieben Kapitel: Der Steinkrieger, Warum wir den Tieren folgen, Wie man im Dschungel Nahrung findet, Die Steinkinder und die Unapata, Die Taya von der Perlentaucherin und der weisen Muschel, Warum die Krabbe das Huhn fürchtet und schließlich Die Taya vom Krieg zwischen den Vögeln und den Fledermäusen. Ein Glossar am Ende soll bei der Vielzahl regionaler Begriffe zusätzlich helfen.
Dabei darf man die Kapitelüberschriften nicht als sieben voneinander unabhängige Geschichten verstehen. Die Tayas und anderen Erzählungen werden vielmehr mit Yalsinias fortlaufender Expedition verknüpft. Dadurch entsteht eine Mischung aus Reisebericht, Abenteuerroman und kultureller Spielhilfe.
Charakterbeschreibung
Yalsinia ya Tarcallo
Die zentrale Figur des Heldenbreviers ist die horasische Gelehrte Yalsinia ya Tarcallo. Sie ist Völkerkundlerin und Leiterin der Aves-Schule an der Universität von Methumis und macht sich erneut auf den Weg in den Tiefen Süden. Ihr eigentliches Forschungsinteresse gilt diesmal den Berichten über neue Formen des Totenkultes unter Waldmenschen und Utulus. Gleichzeitig spielen aber auch botanische Forschung, die Beobachtung unterschiedlicher Kulturen und sogar mögliche Jadevorkommen eine Rolle.
Yalsinia ist eine sehr passende Perspektivfigur für ein Heldenbrevier. Sie ist neugierig, wissbegierig und möchte praktisch alles dokumentieren. Dadurch beschreibt sie nicht einfach nur, wo sie sich befindet, sondern achtet auf Speisen, Pflanzen, Gebäude, gesellschaftliche Eigenheiten und Bräuche. Schon bei ihrer Ankunft in Hôt-Alem beschreibt sie beispielsweise die Akazien und Ceibabäume, die Gerüche der Hafenstadt, die Fischerboote und selbst die örtlichen Maisfladen.
Gleichzeitig besitzt sie trotz ihrer Erfahrung einen gewissen Blick von außen. Sie kennt den Süden zwar bereits, bleibt aber eine horasische Wissenschaftlerin. Das ist erzählerisch durchaus interessant, da wir vieles gemeinsam mit ihr kennenlernen.
Positiv ist dabei, dass Yalsinia fremde Kulturen nicht grundsätzlich als „primitiv“ betrachtet. Im Gegenteil: Sie denkt immer wieder darüber nach, welche Folgen der Einfluss der nördlicheren Reiche auf die Bevölkerung haben könnte. Besonders deutlich wird das beim Thema Jade, als ihr bewusst ist, dass eine Entdeckung wirtschaftliche Begehrlichkeiten wecken und das Leben eines Stammes nachhaltig verändern könnte.
Gerade diese reflektierte Seite macht sie sympathisch. Allerdings ist sie trotz aller Erfahrung eben auch eine Theoretikerin, deren Pläne in der Realität regelmäßig auseinanderfallen. Genau daraus entsteht ein großer Teil des Abenteuers.
Nepi-Luhan
Der zweite zentrale Charakter ist Nepi-Luhan vom Stamm der Napewanha. Während Yalsinia wissenschaftliches Wissen mitbringt, besitzt er die Erfahrung, die im Dschungel tatsächlich über Leben und Tod entscheiden kann.
Er entwickelt sich vom zunächst fremden Begleiter zu Yalsinias wichtigstem Gefährten. Dabei fungiert er nicht nur als Führer, sondern auch als kultureller Vermittler. Er kennt Überlieferungen, versteht die Zeichen des Dschungels und kann Situationen einordnen, bei denen Yalsinia mit ihrem akademischen Wissen an Grenzen stößt.
Das Verhältnis zwischen beiden gehört für mich zu den besten Aspekten des Buches. Aus einer zunächst eher zweckmäßigen Zusammenarbeit entwickelt sich zunehmend echtes Vertrauen. Engors Dereblick hebt ebenfalls hervor, wie sich Nepi-Luhan im Verlauf der Geschichte vom Verbündeten zum Freund entwickelt und mehrfach seine praktische Erfahrung benötigt wird, wenn Yalsinias Forschungsexpedition aus dem Ruder läuft.
Besonders gut funktioniert dabei, dass er nicht einfach als wandelndes Lexikon des Südens eingesetzt wird. Auch er kennt längst nicht jeden Stamm und jedes Geheimnis. Bei den zurückgezogen lebenden Darna kann er beispielsweise nur auf Gerüchte und überliefertes Wissen zurückgreifen.
Das verleiht ihm deutlich mehr Glaubwürdigkeit.
Velvenya Ramirez
Velvenya Ramirez wird von Yalsinia bereits in Mengbilla als Begleitschutz engagiert. Sie ist eine erfahrene Söldnerin, führt Säbel und Entermesser und hat bereits Dschungelexpeditionen begleitet. Yalsinia hält sie deshalb zunächst für eine verlässliche Wahl.
Ihre Rolle ist allerdings deutlich kürzer, als man zunächst erwarten könnte. Bei einem Piratenüberfall auf das Schiff der Expedition kommt Velvenya ums Leben. Damit verdeutlicht Carolina Möbis relativ früh, dass diese Reise keineswegs ein gemütlicher Forschungsausflug wird.
Für mich ist Velvenya damit weniger eine Figur mit großer Entwicklung als vielmehr ein Mittel, um die Gefährlichkeit der Reise zu unterstreichen.
Notia Botero
Notia Botero wird zunächst hauptsächlich durch Yalsinias wenig schmeichelhafte Sichtweise eingeführt. Die Al’Anfanerin nimmt ausgerechnet jenen Platz auf einer Schivone ein, auf den Yalsinia selbst gehofft hatte. Yalsinia reagiert entsprechend gereizt und zweifelt sogar daran, wie ernst man al’anfanische Völkerkundler überhaupt nehmen könne.
Solche Momente finde ich durchaus wichtig, weil sie Yalsinia eben nicht als vollkommen neutrale und fehlerfreie Beobachterin darstellen. Trotz ihrer Offenheit trägt auch sie Vorurteile und persönliche Eitelkeiten mit sich herum.
Die Menschen des Südens
Mindestens ebenso wichtig wie einzelne Nebenfiguren sind die verschiedenen Gemeinschaften, denen Yalsinia und Nepi-Luhan begegnen. Darna, Haipu, Miniwatu und weitere Gruppen unterscheiden sich in Traditionen, Glauben und Lebensweise deutlich voneinander.
Gerade hier erfüllt das Heldenbrevier seine eigentliche Funktion als Ergänzung zur Regionalspielhilfe. Die Bewohner der Dampfenden Dschungel werden nicht einfach als eine einzige „Dschungelkultur“ dargestellt. Die Unterschiede werden durch Geschichten, Rituale und Begegnungen greifbar. Engors Dereblick hebt beispielsweise den Kontrast zwischen den eher theatralischen Miniwatu und den traditionsbewussteren Darna und Haipu hervor.
Kurze Nacherzählung [Spoiler Anfang]
Yalsinia ya Tarcallo bricht von Methumis aus zu einer neuen Forschungsreise in den Tiefen Süden auf. Ihr Ziel ist vor allem, Gerüchten über ungewöhnliche Totenkulte unter Waldmenschen und Utulus nachzugehen. Nach verschiedenen Stationen erreicht sie Hôt-Alem und bereitet von dort ihre Reise auf die Waldinseln vor.
Wie es sich für eine ordentliche Abenteuerexpedition gehört, funktioniert anschließend allerdings kaum etwas nach Plan. Das Schiff wird von Piraten überfallen, Velvenya stirbt und Yalsinia gerät selbst in Gefangenschaft. Schließlich bleibt ihr vor allem Nepi-Luhan, der fortan zu ihrem wichtigsten Begleiter wird.
Gemeinsam reisen beide weiter durch den Süden und begegnen unterschiedlichen Kulturen, Inseln und Gefahren. Unter anderem führen ihre Wege zu den Darna, Haipu und Miniwatu. Schiffbruch, gefährliche Tiere, fremde Bräuche, Unwetter und schließlich auch Untote sorgen dafür, dass aus der Forschungsreise längst ein richtiges Abenteuer geworden ist.
Der Roman endet schließlich mit einer Entdeckung, die über das Heldenbrevier hinaus Bedeutung besitzt und eine Verbindung zum Abenteuer „Jadegrün und Kobaltblau“ herstellt. Genau dadurch ist das Buch stärker mit der Regionalspielhilfe und dem zugehörigen Abenteuer verzahnt als viele andere Heldenbreviere.
Die Tayas als Besonderheit
Zwischen den Expeditionsberichten finden sich immer wieder traditionelle Geschichten. Das erste größere Beispiel ist „Der Steinkrieger“. Darin zieht die alte Kriegerin Kanta-Me aus, um einen Menschenfresser zu besiegen, der bereits ihre Töchter getötet hat. Obwohl andere sie wegen ihres Alters von der Jagd abhalten wollen, gelingt es ihr durch Klugheit und mit der Hilfe des steinernen Kriegers Poschtli, ihre Aufgabe zu erfüllen.
Diese Geschichten sind weit mehr als bloße Unterbrechungen. Sie vermitteln Weltbild, Moral und Traditionen der dort lebenden Menschen.
In Warum wir den Tieren folgen wird beispielsweise erklärt, dass Tiere drohende Naturkatastrophen früher wahrnehmen können und man ihrem Verhalten folgen sollte. Die Moral ist ausgesprochen pragmatisch: Hütten lassen sich neu bauen, das eigene Leben dagegen nicht.
Andere Tayas beschäftigen sich mit Liebe, Gier oder dem Verhältnis verschiedener Gruppen zueinander. Die Geschichte über den Krieg zwischen Vögeln und Fledermäusen erklärt beispielsweise, warum Feindschaft nicht zwangsläufig zur vollständigen Vernichtung des Gegenübers führen darf.
Gerade für Spielleiter sind diese Einschübe interessant. Viele davon könnten problemlos als Geschichten am Lagerfeuer, Warnungen oder Ausgangspunkte eigener kleiner Abenteuer verwenden werden. [SPOILER ENDE]
Szenendarstellung / Atmosphäre
Atmosphärisch macht „Das Heldenbrevier der Dampfenden Dschungel“ vieles richtig. Carolina Möbis versteht es sehr gut, eine Umgebung entstehen zu lassen, die gleichzeitig wunderschön und ausgesprochen lebensfeindlich ist.
Die Hitze lastet auf den Figuren, Feuchtigkeit kriecht in Kleidung und Aufzeichnungen, Moskitos stechen, Ameisen laufen über die Ausrüstung und selbst scheinbar harmlose Pflanzen können gefährlich sein. Yalsinia stellt einmal am eigenen Leib fest, dass man im Dschungel morgens nicht nur mit Vogelgesang, sondern auch mit Ameisen am Stiefel und einer ordentlichen Anzahl Moskitostichen aufwachen kann.
Genau diese vielen Kleinigkeiten lassen die Expedition lebendig wirken.
Auch die akustische Kulisse wird gut beschrieben: kreischende Buntschreier, Insekten, Regen, Meer und das allgegenwärtige Leben des Dschungels. Umso auffälliger ist später eine Insel, auf der die Vögel fehlen und plötzlich eine unheimliche Stille herrscht.
Solche Momente gefallen mir sehr, weil die Landschaft dadurch tatsächlich zu einem Bestandteil der Handlung wird und nicht nur die grüne Tapete hinter den Figuren darstellt.
Hinzu kommt die Vielfalt der Orte. Hafenstädte wie Hôt-Alem fühlen sich vollkommen anders an als die eigentlichen Waldinseln. Die Dörfer der verschiedenen Stämme besitzen wiederum eigene Besonderheiten. Man bekommt dadurch tatsächlich das Gefühl einer langen Expedition statt einer Reise durch immer denselben grünen Wald.
Die Form des Heldenbreviers hilft dabei. Yalsinia beschreibt das, was sie für bemerkenswert hält. Nepi-Luhan betrachtet manche Situationen aus einer völlig anderen Perspektive. Die Tayas wiederum vermitteln Dinge, die ein neutraler Reiseführer kaum transportieren könnte.
Und genau darin sehe ich auch die größte Stärke von Carolina Möbis: Sie erzählt uns nicht bloß, dass Kulturen unterschiedlich denken – sie versucht, uns diese unterschiedlichen Blickwinkel erleben zu lassen.
Allerdings liegt darin für mich gleichzeitig der größte Schwachpunkt des Buches.
Die Dampfenden Dschungel besitzen sehr viele eigene Bezeichnungen, Stämme, Orte, Pflanzen, Glaubensvorstellungen und Begriffe. Gerade wenn man die Regionalspielhilfe nicht praktisch auswendig kennt, kann das irgendwann überwältigend werden.
Begriffe wie Napewanha, Darna, Haipu, Miniwatu, Taya, Nipakau oder verschiedene Tier- und Pflanzennamen folgen teilweise relativ schnell aufeinander. Natürlich besitzt das Buch am Ende ein Glossar – und als gedrucktes Buch kann man dort problemlos nachschlagen. Beim Hörbuch funktioniert das allerdings nur eingeschränkt.
Ich hatte deshalb zwischendurch mehrfach den Moment: Moment – was war das jetzt noch einmal? War das ein Stamm? Ein Ort? Eine Bezeichnung für einen Geist?
Und dann ist man gedanklich für ein paar Sekunden nicht mehr mitten im Dschungel, sondern damit beschäftigt, einen Begriff einzuordnen.
Das ist einerseits durchaus passend zum Setting. Eine horasische Forscherin soll schließlich tatsächlich in eine Welt eintauchen, die ihr nicht vollständig vertraut ist. Andererseits hätte Carolina Möbis meiner Meinung nach manche Begriffe bei ihrem erneuten Auftreten mit einem kurzen Nebensatz noch einmal erklären können. Das hätte den Erzählfluss kaum gestört, Neueinsteigern aber deutlich geholfen.
Interessanterweise hatte ich dieses Problem beim Heldenbrevier Havena überhaupt nicht. Dort war die Umgebung für mich unmittelbar greifbarer. Auch beim von mir inzwischen gehörten Siebenwindküste-Heldenbrevier empfinde ich die Orientierung als leichter.
Fazit
„Das Heldenbrevier der Dampfenden Dschungel“ unterscheidet sich für mich überraschend stark vom zuvor gehörten „Heldenbrevier Havena“. Während Havena beinahe wie ein kleiner Kriminalfall funktioniert und man gemeinsam mit den Figuren einem Geheimnis nachgeht, ist dieses Buch viel stärker eine klassische Dschungelexpedition.
Und genau das meine ich zunächst ausdrücklich positiv.
Die Geschichte ist spannend und bietet erstaunlich viele Ereignisse: Piraten, Gefangenschaft, Schiffbruch, unterschiedliche Stämme, wilde Tiere, fremde Inseln, Untote und allerlei kleinere Gefahren sorgen dafür, dass die Reise keineswegs nur aus Landschaftsbeschreibungen besteht. Dass das Ganze trotzdem als Expeditionsbericht funktioniert, gefällt mir gut.
Sehr gelungen finde ich erneut die unterschiedlichen Perspektiven, die Carolina Möbis verwendet. Besonders Yalsinia und Nepi-Luhan ergänzen sich hervorragend. Auf der einen Seite steht die horasische Wissenschaftlerin, die alles untersuchen, katalogisieren und verstehen möchte. Auf der anderen Seite steht ein Mann, für den viele Dinge, über die Yalsinia lange nachdenkt, ganz selbstverständlich zum Leben gehören.
Gerade ihre langsam wachsende Freundschaft trägt die Geschichte.
Auch die Tayas haben mir gefallen. Sie vermitteln kulturellen Hintergrund, ohne wie ein trockener Lexikonartikel zu wirken. Gleichzeitig lassen sie sich wunderbar als Inspiration für eigene Spielrunden verwenden. Der Ringbote hebt ebenfalls hervor, dass sich diese Geschichten gut als Lagerfeuererzählungen, Warnungen oder Abenteuerideen einsetzen lassen.
Das Buch funktioniert deshalb sowohl als Erzählung als auch als Ergänzung zur Regionalspielhilfe. Wer selbst ein Abenteuer in den Dampfenden Dschungeln leiten möchte, erhält hier viele kleine Eindrücke davon, wie sich eine Expedition anfühlen könnte: Welche Probleme entstehen durch Wetter und Vegetation? Was isst man unterwegs? Wie begegnen sich unterschiedliche Kulturen? Und wie schnell kann ein hervorragend ausgearbeiteter Reiseplan vollständig zusammenbrechen?
Dennoch hatte ich beim Hören immer wieder ein Problem mit der Orientierung.
Die „grüne Dschungelwelt“ besitzt eine enorme Menge an eigenen Begriffen. Das ist für die Authentizität des Settings natürlich sinnvoll, kann aber gerade Neueinsteiger überfordern. Mehrfach fragte ich mich während des Hörens, was Begriff eins oder zwei eigentlich noch einmal bedeutet oder welchem Stamm beziehungsweise welcher Tradition etwas zuzuordnen ist.
Natürlich gibt es ein Glossar. Beim gedruckten Buch ist das hilfreich. Bei einem Hörbuch kann ich aber schlecht ständig gedanklich zum Glossar springen.
Hier hätte ich mir deshalb etwas mehr organisch eingebaute Erklärung gewünscht. Schon ein kurzer Halbsatz wie „die Darna, jenes zurückgezogen lebende Volk Altoums“ kann reichen, um einen Begriff wieder einzuordnen. Das hätte mich persönlich zwischendurch weniger verloren zurückgelassen.
Beim Heldenbrevier Havena hatte ich dieses Problem nicht. Dort konnte ich der Geschichte praktisch jederzeit problemlos folgen. Auch beim von mir derzeit gehörten Heldenbrevier der Siebenwindküste finde ich den Zugang bislang leichter.
Deshalb landet Das Heldenbrevier der Dampfenden Dschungel bei mir auch etwas unter meinem geliebten Havena-Brevier.
Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass es ein schlechtes Buch wäre – im Gegenteil. Carolina Möbis schafft es erneut, eine Region Aventuriens nicht einfach nur zu erklären, sondern erleben zu lassen. Engors Dereblick bezeichnet das Werk passend als gelungenen Reise- beziehungsweise Briefroman mit abwechslungsreicher Darstellung des Tiefen Südens und hebt ebenfalls die Schilderung der unterschiedlichen Kulturen hervor.
Wer sich für Waldmenschen, Utulus, die Waldinseln oder allgemein den Tiefen Süden interessiert, bekommt hier eine sehr gute Ergänzung zur Regionalspielhilfe. Auch der Ringbote sieht gerade für Spieler entsprechender Kulturen und für Spielleiter viel verwertbares Material.
Für absolute DSA-Einsteiger würde ich allerdings empfehlen, zumindest etwas Vorwissen über die Region mitzubringen oder beim Lesen das Glossar griffbereit zu halten.
Unterm Strich bleibt für mich eine spannende, abwechslungsreiche Dschungelexpedition mit starken Perspektivfiguren und sehr guter Atmosphäre, die mich lediglich bei ihrer Vielzahl fremder Begriffe zeitweise etwas verloren hat.
Und ich bin weiterhin gespannt, wie mir die anderen Heldenbreviere von Carolina Möbis gefallen werden.
Spoiler: Schlecht sind sie alle nicht. 😉
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Bildquellen
- Das Heldenbrevier der Dampfenden Dschungel DSA Roman: © Alle Rechte vorbehalten. ©Ulisses Alle Rechte vorbehalten.

