Heldenbrevier Havena – DSA-Roman

Heldenbrevier Havena

Heldenbrevier Havena DSA Roman
Janina Robben und Nadine Schäkel © Ulisses / Alle Rechte vorbehalten
Zeitangabe Aventurien: 6. bis 11. Peraine 1040 BF
Seitenzahl:
160 Seiten
Autor: Carolina Möbis
Cover: Janina Robben und Nadine Schäkel
Illustration: Katharina Niko
Region: Havena
Erschienen: 25. Oktober 2018
Bei: Ulisses
Buchnummer: Ab Roman Nr. 156 nicht mehr vergeben
Erhältlich bei: Ulisses

Inhalt „Heldenbrevier Havena“

Havena, die mächtige Metropole am Meer der Sieben Winde, eine der größten Handelsstädte des Mittelreichs, ist ein Ort, an dem Licht und Schatten eng beieinander liegen. Die prächtige Schönheit des Patrizierviertels Oberfluren lockt zahllose Reisende an, ebenso wie die bunte, wilde Lebenslust des Vergnügungsviertels Nalleshof. Doch gleich in der Nachbarschaft liegen auch das verrufene Orkendorf und die versunkene und gefährliche Unterstadt.

Das Heldenbrevier begleitet drei Havener Helden unterschiedlichster Herkunft: Einen Patrizier, einen Hochstapler und eine Hehlerin. Gemeinsam suchen sie einen Tunichtgut, der irgendwo in den Schatten der Stadt verschwunden ist. Dabei bekommen sie es mit einer Diebesbande, einer Efferdgeweihten, einem mysteriösen Kult und einem Riesenoktopoden zu tun. Wer in den breiten Alleen und den engen Gassen der albernischen Hauptstadt erfolgreich sein will, muss ebenso gewitzt wie vorsichtig sein. Denn das Schicksal ist ebenso launisch wie der Herr von Wind und Wogen selbst.
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer

Zusatzinformationen:
Keine Angaben.

Bewertung der Redaktion

  • Bewertung
4

Fazit

Obwohl ich die DSA-Romanreihe eigentlich konsequent chronologisch weiterlese, hatte ich zwischendurch einfach Lust auf eine kleinere, atmosphärische Erzählung aus Havena. Die Hauptstadt Albernias gehört für mich ohnehin zu den spannendsten Städten Aventuriens – voller Nebel, Intrigen, zwielichtiger Gestalten und uralter Geheimnisse. Daher kam mir das Heldenbrevier Havena gerade recht, um eine kleine Auszeit in Albernias berühmter Hafenstadt einzulegen.

Das Werk entstand im Rahmen des Crowdfundings Havena – Versunkene Geheimnisse, welches sich rund um die Regionalspielhilfe, Zusatzmaterialien und Hintergrundwerke zur Stadt drehte. Auch wenn ich das Crowdfunding damals leider verpasst habe und vieles später nachgekauft habe, hatte ich dennoch große Lust, dieses Heldenbrevier endlich einmal nachzuholen.

Bisher hatte ich mich allerdings lange davor gedrückt, überhaupt ein Heldenbrevier zu lesen. Die Idee eines Reiseberichts beziehungsweise einer erzählerischen Spielhilfe fand ich zwar grundsätzlich interessant, aber im Vergleich zu klassischen Regionalspielhilfen oder Hintergrundbänden erschien mir der Mehrwert zunächst geringer. Umso gespannter war ich darauf, ob mich dieses Werk vom Gegenteil überzeugen könnte.

Am Ende dieser Rezension folgt natürlich auch wieder meine persönliche Meinung zum Buch und Hörbuch.

Inhalt

Das Heldenbrevier Havena umfasst rund 160 Seiten und ist weniger ein klassischer Roman als vielmehr eine Mischung aus Reisebericht, Charaktererzählung und stimmungsvoller Hintergrundbeschreibung.

Generell funktionieren Heldenbreviere in DSA so, dass die Handlung aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt wird. Oft handelt es sich dabei um Briefe, Tagebucheinträge, persönliche Aufzeichnungen oder Reiseberichte. Dadurch erhält man weniger eine klassische lineare Romanhandlung, sondern vielmehr subjektive Eindrücke von Orten, Personen und Ereignissen.

Das Besondere daran ist, dass man Aventurien nicht aus einer neutralen Erzählerperspektive erlebt, sondern direkt durch die Augen der handelnden Figuren. Dadurch entstehen oft sehr persönliche Eindrücke einer Region oder Stadt.

Im Falle von Heldenbrevier Havena funktioniert das besonders gut, weil Havena selbst eine unglaublich atmosphärische Stadt ist. Nebelverhangene Gassen, zwielichtige Tavernen, Glücksspiel, Schmuggel, die versunkene Unterstadt und der allgegenwärtige Einfluss Efferds erzeugen sofort ein starkes Kopfkino.

Kapitel I – Spurlos

Bereits der Einstieg vermittelt hervorragend die düstere Atmosphäre Havenas. Das erste Kapitel beginnt mit einem bedrückenden Schriftzug aus den Ruinen der Unterstadt, der sofort klar macht, dass unter Havena Gefahren lauern, die weit über gewöhnliche Kriminalität hinausgehen.

Danach lernen wir Coran Saordubh kennen, ein angesehenes Mitglied einer reichen Havener Reederfamilie. Über Briefe an seine Frau Meriwen erfährt man von familiären Problemen, insbesondere vom verschwundenen Jaemesh Saordubh.

Coran ist eine der interessantesten Figuren des Buches, weil er gleichzeitig pflichtbewusst, kontrolliert und dennoch innerlich zerrissen wirkt. Er möchte den Ruf seiner Familie schützen, sorgt sich aber zugleich ernsthaft um seinen Neffen.

Gerade die langen Briefpassagen sorgen dafür, dass Havena sehr lebendig wirkt. Man erfährt viel über die Gesellschaft der Stadt, den Rat der Kapitäne, Begräbnisrituale und das Nachtleben Havenas.

Kapitel II – Die Ermittler

Im zweiten Kapitel rückt Meredin Inveric stärker in den Mittelpunkt.

Meredin ist vermutlich die charismatischste Figur des gesamten Buches: ein Betrüger, Hochstapler und Glücksritter mit erstaunlich viel Selbstironie. Seine Memoiren lesen sich unglaublich unterhaltsam und bieten gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Unterwelt Havenas.

Gemeinsam mit seiner alten Freundin Lynn beginnt er, Nachforschungen über Jaemesh anzustellen. Dabei führt uns das Buch durch verschiedene Stadtteile Havenas – insbesondere das Orkendorf, zwielichtige Tavernen und Glücksspielhöllen.

Besonders gelungen fand ich hier, wie Carolina Möbis die Atmosphäre der Stadt beschreibt. Man kann den feuchten Nebel, den Geruch nach Hafenwasser und die verrauchten Kneipen förmlich spüren.

Gerade die Szenen im Esche und Kork oder auf der Rethis zeigen wunderbar die Mischung aus Abenteuerromantik und sozialem Elend, die Havena seit jeher auszeichnet.

Kapitel III – Der Diebstahl

Dieses Kapitel vertieft die Ermittlungen weiter und zeigt noch stärker die kriminellen Strukturen Havenas.

Meredin nutzt seine zahlreichen Tarnidentitäten und Kontakte, um Informationen zu sammeln. Besonders spannend ist dabei, wie sehr das Buch mit Perspektiven spielt. Jeder Charakter nimmt Ereignisse anders wahr und interpretiert Situationen unterschiedlich.

Dadurch entsteht eine angenehm dynamische Erzählweise.

Außerdem lernt man hier noch mehr über die gesellschaftlichen Unterschiede innerhalb Havenas kennen: von den reichen Patriziern Oberflurens bis zu den Armen des Orkendorfs.

Kapitel IV – Die Falle

Die Handlung wird nun deutlich spannender und gefährlicher. Intrigen verdichten sich, falsche Fährten werden gelegt und die Suche nach Jaemesh führt immer tiefer in Havenas Unterwelt.

Besonders gelungen fand ich hier die Spannung zwischen den Figuren. Niemand scheint völlig vertrauenswürdig zu sein, gleichzeitig arbeiten die Charaktere notgedrungen miteinander.

Die Autorin schafft es hervorragend, diese Unsicherheit aufrechtzuerhalten.

Kapitel V – Der Diener des Efferd

Dieses Kapitel bringt die religiöse und mystische Seite Havenas stärker ins Spiel.

Gerade Efferd spielt in Havena natürlich eine zentrale Rolle, und das merkt man dem Buch deutlich an. Die Verbindung zwischen Meer, Unterstadt und alten Geheimnissen sorgt für eine dichte Atmosphäre.

Hier wird das Heldenbrevier fast schon ein wenig lovecraftig – natürlich im typisch aventurischen Stil.

Kapitel VI – Der Späher

Die Ermittlungen nehmen weiter Fahrt auf. Gleichzeitig erfährt man noch mehr über die Beziehungen und Hintergründe der Charaktere.

Besonders stark ist hier erneut die Perspektivtechnik. Jede Figur bringt ihre eigene Sichtweise mit, wodurch man das Gefühl erhält, Havena aus mehreren Blickwinkeln gleichzeitig kennenzulernen.

Kapitel VII – Die Unterstadt

Natürlich darf auch die berühmte Unterstadt Havenas nicht fehlen.

Dieses Kapitel bildet atmosphärisch definitiv den Höhepunkt des Buches. Die versunkenen Ruinen, die Dunkelheit und die ständige Bedrohung erzeugen eine großartige Stimmung.

Hier zeigt sich besonders, warum Havena als eine der ikonischsten Städte Aventuriens gilt.

Die wichtigsten Charaktere

Coran Saordubh

Ein ehemaliger Marineoffizier und Mitglied des Rats der Kapitäne. Coran ist pflichtbewusst, ehrenhaft und stark auf den Ruf seiner Familie bedacht. Gleichzeitig merkt man ihm an, wie sehr ihn das Verschwinden seines Neffen belastet.

Er fungiert gewissermaßen als Auftraggeber und moralischer Gegenpol zu Meredin.

Meredin Inveric

Der eigentliche Star des Buches. Ein charmanter Betrüger, Hochstapler und Glücksritter mit bewegter Vergangenheit.

Meredin bewegt sich mühelos zwischen Unterwelt, Glücksspiel und Adelsschicht. Seine Kapitel sind oft humorvoll, gleichzeitig aber erstaunlich melancholisch.

Er gehört definitiv zu den stärksten Figuren des Buches.

Lynn Seehoff

Eine ehemalige Diebin und heutige Ermittlerin mit exzellenten Ortskenntnissen. Lynn kennt Havena wie ihre Westentasche und bringt eine angenehm bodenständige Perspektive in die Geschichte ein.

Gerade die Dynamik zwischen ihr und Meredin funktioniert hervorragend.

Jaemesh Saordubh

Der verschwundene Neffe Corans. Obwohl er lange eher indirekt präsent ist, bildet er das Zentrum der gesamten Handlung.

Durch die Aussagen anderer Figuren entsteht nach und nach ein Bild eines jungen Mannes, der sich immer tiefer in Schwierigkeiten verstrickt hat.

Meriwen Saordubh

Corans Ehefrau, an die viele der Briefe gerichtet sind. Obwohl sie nicht direkt aktiv handelt, sorgt ihre Präsenz dafür, dass Corans Briefe persönlicher und emotionaler wirken.

Kurze Nacherzählung

Die Geschichte beginnt mit dem Verschwinden Jaemesh Saordubhs, dessen Fernbleiben nach einer Beisetzung erste Sorgen auslöst. Coran Saordubh möchte jedoch keinen öffentlichen Skandal verursachen und engagiert deshalb den zwielichtigen Meredin Inveric, um diskret Nachforschungen anzustellen.

Meredin wiederum zieht seine alte Freundin Lynn hinzu, die sich bestens in Havenas Unterwelt auskennt. Gemeinsam folgen sie verschiedenen Spuren durch Glücksspielhöllen, Schmugglerkreise, Tavernen und das Orkendorf.

Je tiefer die Ermittlungen führen, desto stärker geraten die Figuren selbst in Gefahr. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass hinter Jaemeshs Verschwinden mehr steckt als bloße Spielschulden oder jugendlicher Leichtsinn.

Die Spur führt schließlich immer näher an die Geheimnisse der Unterstadt und die düsteren Legenden Havenas heran.

Besonders gelungen ist dabei, dass die Handlung weniger von Action lebt, sondern vielmehr von Atmosphäre, Dialogen und Charakterdynamik.

Fazit

Ich habe mich bisher lange vor einem Heldenbrevier gedrückt zu lesen, da ich dachte, dass ich diese Art der Spielhilfe in Form eines Reiseberichts zwar interessant, aber weniger hilfreich erachte, im Gegensatz zu den Regionalbeschreibungen oder klassischen Spielhilfen.

Dennoch empfinde ich das Heldenbrevier Havena als eine perfekte Ergänzung zu den bereits genannten Büchern aus dem Crowdfunding, welches ich damals leider verpasst habe zu backen und mir später nachgekauft habe.

Die Erzählung, die Autorin Carolina Möbis hier darstellt, gefällt mir richtig gut und lässt die einzelnen Charaktere hervorragend zur Geltung kommen, da man tatsächlich aus deren Perspektive im Wechsel das Geschehen verfolgen kann. Das sorgt dafür, dass man immersiver in die Geheimnisse von Havena eintauchen kann (haha, Wortspiel).

Auch die verschiedenen Szenerien kommen dadurch sehr gut zur Geltung. Gerade Havena profitiert enorm davon, dass die Stadt nicht nur beschrieben, sondern regelrecht erlebt wird. Die Mischung aus Adel, Unterwelt, Efferdglauben, Glücksspiel und versunkener Vergangenheit erzeugt eine unglaublich starke Atmosphäre.

Einzig muss man allerdings diesen Stil mögen, damit man mit der Form der Heldenbreviere wirklich zurechtkommt. Wer lieber klassische Romane oder rein sachliche Spielhilfen liest, wird sich an die Briefform und Perspektivwechsel vielleicht erst gewöhnen müssen.

Ich jedenfalls habe Gefallen daran gefunden und – so wie ich Carolina Möbis inzwischen einschätze – eine sehr lesenswerte Lektüre erhalten, bei der ich froh bin, dass diese Reihe weiterhin fortgeführt wird. Gerade weil Ulisses die Heldenbreviere zwischenzeitlich aus Kostengründen einstellen wollte, freut es mich umso mehr, dass dieses Format noch existiert.

Da ich zusätzlich das Hörbuch von Audible gehört habe, möchte ich dazu ebenfalls noch zwei Anmerkungen machen. Leider hört man im Hintergrund manchmal Kollegen der Sprecherin husten oder reden, was für diese Form des Hörbuchs wirklich nicht akzeptabel ist. Das stört die Immersion leider spürbar und sollte in Zukunft nicht wieder vorkommen.

Die Sprecherin selbst hat die Geschichte allerdings sehr gut vorgelesen. Wohl manchmal etwas zu schnell, sodass wichtige Momente gestresst wirkten, aber insgesamt schön klar und deutlich. Und dennoch hätte ich mir bei den wechselnden Geschlechtern der Charaktere unterschiedliche Stimmen gewünscht, da dies die Unterschiede zwischen den Perspektiven noch stärker hervorgehoben hätte.

Trotz dieser kleineren Kritikpunkte bleibt das Heldenbrevier Havena sowohl als Buch als auch als Hörbuch eine sehr atmosphärische Ergänzung zum Havena-Crowdfunding und ein gelungenes Beispiel dafür, wie man Aventurien lebendig erzählen kann.

 

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  • Heldenbrevier Havena DSA Roman: Janina Robben und Nadine Schäkel © Alle Rechte vorbehalten. © Alle Rechte vorbehalten.
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