Aus dunkler Tiefe
Seitenzahl: 238 Seiten
Autor: Barbara Büchner
Cover: Arndt Drechsler
Illustration: Keine Angabe.
Region: Trallop, Donnerbach, Weiden, Neunaugensee
Erschienen: Mai 1997
Bei: Heyne
Buchnummer: R28
Erhältlich bei: Ulisses
Inhalt „Aus dunkler Tiefe“
Schwarze Magie lockte ein Ungeheuer aus seinen Gewässern hervor. Seitdem überziehen Tod und Zerstörung das Weidener Land, während die Kriegerin Farnlieb und ihre Freunde dem Nekromanten tapfer zu Leibe rücken. Doch nur ein Mensch kennt die Zaubersprüche, die das Monster vertreiben könnten. Der aber lebt in seinem gläsernen Turm hoch in den Wolken…
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer
Zusatzinformationen:
Der Hauptprotagonist (die Kriegerin) heißt nucht, wie im Klappentext angegeben, Farnlieb sondern Alwen Staffauer.
Bewertung der Redaktion
- Bewertung
Fazit
Wir sind weiterhin in der Borbarad-Zeit bei den Romanen. „Aus dunkler Tiefe“, sowie „Der Lichtvogel“ von Hadmar von Wieser, wie auch der vorherige Roman „Steppenwind“ spielen in der Borbarad-Zeit. Ich habe mich dazu entschlossen, dieses Werk zu lesen, da ich es mir zum Ziel gesetzt habe, wirklich alle DSA-Romane chronologisch zu erschließen. Zuletzt hatte ich den philosophisch-epischen „Lichtvogel“ beendet, und da war ich gespannt auf die Schrecken, die der Neunaugensee bereit hält. Am Ende dieser ausführlichen Besprechung werde ich zudem meine ganz persönliche Meinung zum Roman mit euch teilen.
Inhalt
Charakterbeschreibung
Barbara Büchner setzt in diesem Roman auf ein klassisches, aber sehr sympathisches Ensemble, das den Leser durch die düsteren Ereignisse in Weiden führt.
Alwen (die Kriegerin): Alwen verkörpert die rondragefällige Tugendhaftigkeit. Sie ist mutig, entschlossen und trägt die Last der Verantwortung für ihre Gefährten und ihre Heimat. Ihr Kampfgeist bildet das Rückgrat der Gruppe, doch Büchner verleiht ihr durch ihre Sorge um ihren Bruder eine menschliche Tiefe, die sie über das Klischee der reinen Schwertschwingerin hinaushebt.
Gille (der Metzgermeister): Gille ist der vielleicht interessanteste Charakter, da er den „einfachen Mann“ repräsentiert. Als wohlhabender Metzgermeister aus Trallop ist er eigentlich kein Abenteurer, wird aber durch die Umstände und seine Verbundenheit zu seiner Schwester Alwen in die Ereignisse hineingezogen. Seine bodenständige Sichtweise und seine gelegentliche Furcht machen ihn zum perfekten Identifikationsobjekt für den Leser.
Adeptus Perdan (der Magier): Ein Graumagier, der als Gelehrter fungiert. Er bringt das nötige Fachwissen über die dunklen Mächte mit, bleibt dabei aber nahbar und humorvoll. Seine Interaktionen mit den anderen Charakteren lockern die oft bedrückende Stimmung auf.
Fingal Abendsang (der Elf): Fingal bringt die typisch elfische Entrücktheit und Naturverbundenheit ein. Seine Sinne sind geschärft, und seine Abneigung gegenüber der menschlichen Zivilisation (wie etwa Gilles Wurstküche) sorgt für amüsante Momente, während seine magischen und kämpferischen Fähigkeiten in der Wildnis unverzichtbar sind.
Barstopal (der Antagonist): Ein ehemaliger Schüler der Akademie in Donnerbach, dessen Wissensdurst ihn auf die dunkle Seite zog. Er ist besessen von den „Uralten Wesen“ und bereit, für deren Erweckung buchstäblich über Leichen zu gehen. Seine Entwicklung vom arroganten Studenten zum Paktierer mit Borbarads Mächten wird zu Beginn des Romans eindrucksvoll skizziert.
Frau Birsel: Die geschwätzige Haushalterin von Gille ist eine wunderbare Nebenfigur. Sie sorgt für lokales Flair und zeigt, wie sich Gerüchte und Ängste in einer Stadt wie Trallop verbreiten.
Herzog Waldemar von Löwenhaupt (der Bär): Der legendäre Herrscher von Weiden tritt als autoritäre, aber gerechte Figur auf. Seine Präsenz unterstreicht den Ernst der Lage, als die Bedrohung durch den See offensichtlich wird.
Nacherzählung (SPOILER)
Die Geschichte beginnt Jahre vor den eigentlichen Ereignissen an der Magierakademie zu Donnerbach. Der junge, ehrgeizige Student Barstopal stellt seinem Lehrer Radumar gefährliche Fragen über die „Uralten Wesen“ – gottlose Kreaturen aus der Sternenleere, die vor Äonen von den Göttern in tiefen Schlaf versetzt wurden. Trotz aller Warnungen begibt sich Barstopal auf eine Reise nach Selem, einem Ort, an dem verbotenes Wissen in den modernden Ruinen leichter zu finden ist als anderswo. Dort erwirbt er die nötigen Zaubersprüche und tritt schließlich in den Dienst Borbarads, um das „Omegatherion“, ein kosmisches Ungeheuer, aus den Tiefen des Neunaugensees zu wecken.
In der Gegenwart bemerken die Geschwister Alwen und Gille in Trallop beunruhigende Zeichen. Der Neunaugensee, ohnehin ein Ort düsterer Legenden, scheint unruhiger denn je. Gemeinsam mit dem Elfen Fingal und dem Magier Perdan bilden sie eine Zweckgemeinschaft, um der Ursache für das Viehsterben und die unheimlichen Erscheinungen auf den Grund zu gehen.
Ihre Reise führt sie tief in das berüchtigte Nebelmoor. Hier verdichtet sich die Atmosphäre: Die Gruppe wird mit unheimlichen Wesen, den „Kleinen Vergessenen“, und den deformierten Dienern des Uralten konfrontiert. Sie entdecken Barstopals Versteck und erkennen das Ausmaß seines Wahnsinns. Es gelingt ihnen zwar, den Schwarzkünstler zu stellen, doch das Ritual ist bereits so weit fortgeschritten, dass das Ungeheuer im See erwacht.
Die Bedrohung verlagert sich auf die Städte Trallop und Donnerbach. Das Monster aus der Tiefe sorgt für Verwüstung, und die herkömmlichen Waffen der herzoglichen Truppen scheinen machtlos. In dieser verzweifelten Stunde erscheint der große Magier Rohezal auf seinem Drachen. Mit seiner Hilfe und dem gemeinsamen Einsatz der Gefährten gelingt es schließlich, die dunkle Macht vorerst zurückzudrängen und das Schlimmste zu verhindern.
(SPOILER ENDE)
Szenendarstellung / Atmosphäre
Barbara Büchner beweist ein besonderes Händchen für die Darstellung der unheimlichen Natur Weidens. Besonders der Neunaugensee wird als ein Ort beschrieben, der schon beim bloßen Anblick Unbehagen auslöst. Der später violett verhangene Himmel und die unnatürlichen Blitze schaffen eine Kulisse, die perfekt zur herannahenden Borbarad-Invasion passt.
Das Nebelmoor ist ein weiteres atmosphärisches Highlight. Die Beschreibungen der fauligen Gerüche, des tückischen Knüppelpfades und der ständigen Beobachtung durch unsichtbare Augen lassen den Leser das Grauen förmlich spüren. Die Autorin nutzt hier geschickt Elemente des Folk-Horrors: Boronsweiden, die ihren Standort zu verändern scheinen, und Bosnickel, die aus dem Unterholz starren.
Im Kontrast dazu stehen die Szenen in Trallop, insbesondere im Haus „Zur Lammkeule“. Die wohlige Wärme der Wirtsstube und der Duft von Gilles Speisen bilden einen starken Gegensatz zur Kälte des Sees. Diese häusliche Geborgenheit verstärkt das Gefühl der Bedrohung, als die Dunkelheit beginnt, in diesen sicheren Raum einzudringen.
Fazit
„Aus dunkler Tiefe“ ist ein solider DSA-Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre und seine bodenständigen Charaktere überzeugt. Barbara Büchner hat ein Werk geschaffen, das die Bedrohung am Neunaugensee und durch den Schwarzmagier Barstopal greifbar macht. Besonders beeindruckend fand ich das Auftreten des Magiers Rohezal. Sein Erscheinen auf seinem Drachen und sein gesamtes herrschaftliches Auftreten wurden so bildhaft beschrieben, dass man die Macht dieses großen Weisen förmlich spüren konnte. Das war für mich einer der epischsten Momente des Buches.
Auch die Charaktere sind durchweg sympathisch und hervorragend ausgearbeitet. Ob es die pflichtbewusste Alwen, der bodenständige Gille oder der entrückte Fingal ist – man wächst mit dieser Gruppe zusammen. Sogar Nebenfiguren wie die geschwätzige Frau Birsel oder der wuchtige Herzog Waldemar von Löwenhaupt, genannt „der Bär“, fügen sich nahtlos in das lebendige Bild von Weiden ein.
Allerdings muss ich auch Kritik üben: Der Roman kommt insgesamt sehr seicht daher, sowohl vom Schreibstil als auch von der Erzählweise. Obwohl prinzipiell zwei der bedeutendsten Städte der Region durch eine uralte, dunkle Macht bedroht sind, fehlte mir oft die nötige Action und die epische Breite. Die Story ist zudem sehr geradlinig; viele Wendungen, wie das plötzliche Eingreifen Rohezals, konnte man als erfahrener Leser schon lange im Voraus erahnen. Hier hätte dem Buch etwas mehr Mut zu unvorhersehbaren Ereignissen gutgetan.
Besonders gut gefallen haben mir wiederum die Szenen im düsteren Nebelmoor. Hier zeigt die Autorin, was sie atmosphärisch kann. Davon hätte ich mir im Verlauf der Geschichte deutlich mehr gewünscht, um die Bedrohung durch das Omegatherion noch intensiver zu gestalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer einen atmosphärischen Roman sucht, der tief in der Lore von Weiden wurzelt und liebgewonnene Charaktere in ein klassisches Abenteuer schickt, wird hier gut bedient. Mir gefiel der Roman insgesamt doch gut. Er ist eine solide Ergänzung für jede DSA-Sammlung, auch wenn er das Potenzial der Bedrohung nicht voll ausschöpft sollte man ihn gelesen haben.
Endnote: 3,5 von 5 Sternen
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Bildquellen
- Aus Dunkler Tiefe DSA Roman R28: Arndt Drechsler © Alle Rechte vorbehalten. ©Heyne Alle Rechte vorbehalten.

