Das letzte Duell – DSA-Roman R23

Das letzte Duell

Das letzte Duell DSA Roman R23
Ruud van Giffen © Heyne / Alle Rechte vorbehalten
Zeitangabe Aventurien: 1019 BF
Seitenzahl:
398 Seiten
Autor: Hans Joachim Alpers
Cover: Ruud van Giffen
Illustration: Keine Angabe
Region: Südmeer, Ghurenia, Yongustra
Erschienen: März 1998
Bei: Heyne
Buchnummer: R23
Erhältlich bei: Ulisses

Inhalt „Das letzte Duell“

Thalon gerät zwischen die Fronten der Piraten und des Praefos von Ghurenia und wird zum Spielball verfeindeter Machtblöcke im Südmeer. Die entscheidende Seeschlacht steht unmittelbar bevor – aber die Allianz ist brüchig.

Im dritten und abschließenden Roman über die Piraten des Südmeer sucht Thalon seinen Platz in der aventurischen Welt. Doch am letzten Duell mit dem gefürchteten Piratenkapitän Eiserne Maske führt kein Weg vorbei.
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer

Zusatzinformationen:
Dieser Roman stellt den dritten Band der Serie „Die Piraten des Südmeers“ dar.

Bewertung der Redaktion

  • Bewertung
4.5

Fazit

Ich habe Das letzte Duell gelesen, weil ich mir vorgenommen habe, nach und nach alle DSA-Romane zu lesen. Nach Der Spieler von Christian Jentzsch war ich neugierig, wieder in eine stärker klassische Abenteuergeschichte einzutauchen – und zugleich wollte ich die Südmeer-Trilogie abschließen, deren erste beiden Teile ich bereits kannte. Gerade weil Hinter der eisernen Maske und Flucht aus Ghurenia für mich eher durchwachsen oder ganz gut waren, interessierte mich besonders, ob der dritte Band die Geschichte zu einem überzeugenden Abschluss bringen würde.

Schon vor der Lektüre war klar, dass Das letzte Duell als Finale konzipiert ist: Figuren, Konflikte und Machtblöcke laufen zusammen, alte Rechnungen sollen beglichen werden. Meine Erwartung war entsprechend hoch, denn ein gutes Ende kann vieles retten – ein schlechtes aber auch alles ruinieren. Ob Hans Joachim Alpers diese Gratwanderung gelingt, bespreche ich im Folgenden, bevor am Ende meine persönliche Meinung zum Roman steht.

Inhalt

Charakterbeschreibung

Eine der größten Stärken von Das letzte Duell liegt eindeutig in den Charakteren. Während die ersten beiden Teile der Südmeer-Trilogie oft unter sprunghaften Perspektivwechseln litten, konzentriert sich der dritte Band stärker auf seine zentralen Figuren und gibt ihnen Raum, sich zu entfalten.

Thalon

Thalon ist der emotionale Kern der Trilogie. Einst eher Spielball der Ereignisse, wirkt er hier deutlich gereifter. Er ist kein klassischer Held, sondern ein Mann, der zwischen Loyalität, Überlebenswillen und moralischer Orientierungslosigkeit schwankt. Gerade diese Unsicherheit macht ihn glaubwürdig. Thalon sucht seinen Platz in einer Welt aus Piraten, Tyrannen und fanatischen Kulten – und weiß doch, dass jede Entscheidung ihn schuldig macht. Seine innere Zerrissenheit ist spürbar, besonders im Hinblick auf das letzte Aufeinandertreffen mit der Eisernen Maske und der Situation wegen Alina.

Die Eiserne Maske

Die Eiserne Maske ist ohne Zweifel eine der eindrucksvollsten Figuren des Romans – und vielleicht der gesamten Trilogie. Als Piratenkapitän verkörpert sie Macht, Kontrolle und eine beinahe unheimliche Selbstdisziplin. Ihre Auftritte sind stets spannungsgeladen, ihre Entscheidungen kühl und kalkuliert. Besonders gelungen ist, dass er nicht als eindimensionaler Antagonist dargestellt wird, sondern als Persönlichkeit mit klarer Agenda und eigener Logik. Die Enthüllung um ihre wahre Identität verleiht der Figur im letzten Drittel zusätzliche Tiefe und sorgt für eine der stärksten Überraschungen des Romans.

Canja Murenbreker

Canja Murenbreker ist eine der Figuren, die in Das letzte Duell deutlich gewinnen. Sie ist hart, direkt, kompromisslos – und zugleich politisch klug. Als Kaufherrin bewegt sie sich souverän zwischen roher Gewalt und strategischem Kalkül. Besonders ihr Verhalten gegenüber Autoritäten und ihre Rolle im finalen Machtgefüge des Südmeers sind hervorragend inszeniert. Sie wirkt nie wie bloße Statistin, sondern wie eine Frau, die sehr genau weiß, wann man kämpfen und wann man abwarten und auch wann man loslassen muss.

Praefos Gorm

Praefos Gorm, der Herrscher von Ghurenia, ist der Inbegriff autoritärer Macht. Er herrscht mit Angst, Brutalität und politischer Skrupellosigkeit. Anders als viele tyrannische Figuren bleibt er jedoch nachvollziehbar in seiner Motivation: Machterhalt um jeden Preis. Seine Auseinandersetzung mit Thalon und der Eisernen Maske bildet einen zentralen Konflikt des Romans. Der finale Kampf gegen ihn ist nicht nur physisch, sondern auch symbolisch – ein Aufeinandertreffen alter Ordnungen.

Murenius und Ch’Ronch’Ra

Murenius, der Hohepriester des Echsendämons Ch’Ronch’Ra, ist eine zutiefst verstörende Figur. Seine Selbstüberschätzung, sein Zynismus und seine Instrumentalisierung religiöser Ekstase machen ihn zu einem der unangenehmsten, aber auch interessantesten Charaktere. Die Beziehung zwischen ihm und Ch’Ronch’Ra ist von Machtgier, gegenseitigem Misstrauen und Abhängigkeit geprägt. Dass der Dämon und Murenius den Dämon letztlich nur als Werkzeug betrachtet, verleiht dieser Beziehung eine fast tragische Dimension.

Nacherzählung

Das letzte Duell setzt unmittelbar an die Ereignisse der vorherigen Romane an und führt die verschiedenen Handlungsstränge konsequent zusammen. Thalon befindet sich erneut zwischen den Fronten der Piraten des Südmeers und den Machtansprüchen des Praefos von Ghurenia. Die politische Lage ist angespannt, die Allianzen brüchig, und ein offener Krieg scheint unausweichlich.

Parallel dazu verfolgt Murenius seinen eigenen Plan. Mit der Dienerschaft des Ch’Ronch’Ra hat er eine fanatische, militärisch organisierte Kultgemeinschaft aufgebaut, deren Ziel es ist, die bestehenden Machtstrukturen zu zerschlagen. Der Angriff auf die Rondra-Legisten von Yongustra ist dabei mehr als nur ein militärischer Schlag – er ist ein Testlauf für eine größere Vision der Zerstörung.

Die Seeschlachten und Überfälle im Südmeer sind dabei roh und gnadenlos. Hans Joachim Alpers scheut sich nicht, Gewalt explizit darzustellen. Messer gleiten durch Bauchdecken, Gedärme quellen hervor, Blut färbt das Deck der Schiffe, es riecht nach Eingeweiden und Fäkalien. Diese Bildhaftigkeit ist intensiv, manchmal verstörend, aber stets konsequent.

Der zentrale Spannungsbogen kulminiert schließlich in der Bucht von Nosfan, wo sich die wichtigsten Figuren des Romans begegnen. Hier zeigt sich die große Stärke des Buches: das Zusammentreffen der Autoritäten. Piratenkapitäne, politische Machthaber, religiöse Fanatiker – alle treffen aufeinander, jeder mit eigenen Interessen, niemand wirklich vertrauenswürdig.

Das titelgebende „letzte Duell“ ist weniger ein einzelner Kampf als vielmehr eine Abfolge von Konfrontationen. Besonders eindrucksvoll ist das Verhalten der Eisernen Maske und Canja Murenbreker, die in diesen Szenen ihre ganze charakterliche Stärke ausspielen. Der Kampf gegen Praefos Gorm und die Offenbarung um seine Machtposition sind spannend inszeniert und führen zu einem emotional dichten Höhepunkt.

Szenendarstellung / Atmosphäre

Atmosphärisch ist Das letzte Duell der stärkste Band der Trilogie. Das Südmeer wird als brutale, gesetzlose Welt gezeigt, in der Gewalt zum Alltag gehört und Moral eine Frage der Perspektive ist. Die Häfen, Schiffe und Inseln wirken schmutzig, laut und gefährlich – ein glaubwürdiges Piratenmilieu, das sich deutlich von romantisierten Darstellungen abhebt.

Alpers’ Sprache ist direkt und oft derb. Der Ton der Piraten ist rau, vulgär und häufig unter der Gürtellinie. Das kann ermüden, passt aber zur dargestellten Welt. Besonders die Kampfszenen sind sehr plastisch beschrieben, manchmal fast zu detailliert. Wer empfindlich auf explizite Gewalt reagiert, wird hier an seine Grenzen stoßen.

Gleichzeitig gelingen dem Autor aber auch ruhigere Momente: Gespräche zwischen Thalon und der Eisernen Maske, die unterschwellige Spannung in politischen Verhandlungen, die düstere Ritualistik rund um Ch’Ronch’Ra. Diese Wechsel zwischen brachialer Gewalt und leiser Bedrohung machen die Atmosphäre dicht und glaubwürdig.

Fazit

Das letzte Duell ist für mich der beste Band der Südmeer-Trilogie und hebt sich deutlich von seinen Vorgängern ab. Besonders die Charakterdarstellungen haben mich überzeugt. Figuren wie Thalon, die Eiserne Maske, Canja Murenbreker, Praefos Gorm und Murenius sind vielschichtig, widersprüchlich und hervorragend in Szene gesetzt. Das finale Zusammentreffen dieser Autoritäten gehört zu den stärksten Momenten des Romans – vor allem das Verhalten der Eisernen Maske und Canja Murenbreker bleibt lange im Gedächtnis.

Sehr gelungen ist auch die Überraschung rund um die Eiserne Maske sowie die Offenbarung im Kampf gegen Praefos Gorm und im Zusammenspiel mit Thalon. Diese Szenen verleihen dem Roman emotionale Tiefe und narrative Wucht.

Kritisch sehe ich allerdings das Ende rund um Thalon, die Eiserne Maske und die Zwergin Credia. Dieser Abschluss wirkte auf mich etwas irritierend und zu wenig begründet, insbesondere weil das eigentliche Böse nicht wirklich besiegt wird. Hier hätte ich mir mehr Klarheit oder Konsequenz gewünscht.

Ebenfalls störend empfand ich stellenweise den sehr harschen, oft vulgären Ton der Piraten. Auch wenn er atmosphärisch passt, geht er stellenweise unnötig unter die Gürtellinie. Die extrem bildliche Gewaltdarstellung – etwa beim Aufschlitzen von Gegnern – ist Geschmackssache und dürfte nicht jeden Leser ansprechen.

Trotz dieser Schwächen hat mich Das letzte Duell sehr gut unterhalten. Der Roman ist spannend, düster, charaktergetrieben und liefert ein starkes Finale für die Südmeer-Trilogie.

Endnote: 4,5 von 5 Sternen.

Ein intensiver, brutal-ehrlicher DSA-Roman mit hervorragenden Figuren und einem starken Finale – für mich deutlich besser als die beiden vorherigen Teile der Trilogie und einer der überzeugenderen DSA-Romane insgesamt.

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