Steppenwind – DSA-Roman R25

Steppenwind

Steppenwind DSA Roman R25
Krzysztof Wlodkowski © Heyne / Alle Rechte vorbehalten
Zeitangabe Aventurien: Praios bis Tsa 1020 BF
Seitenzahl:
234 Seiten
Autor: Niels Gaul
Cover: Krzysztof Wlodkowski
Illustration: Keine Angabe
Region: Bjaldorn, Bornland, Beilunk, Weiden
Erschienen: März 1997
Bei: Heyne
Buchnummer: R25
Erhältlich bei: Ulisses

Inhalt „Steppenwind“

»Flyrijas«, den Geschwätzigen, so nennen die Leute von Bjaldorn den Wind aus der Steppe. Dem Kundigen erzählt er vielerlei: Im Frühling liegt der Duft des Tauwassers darin; im Sommer der würzige Geruch von blühendem Gras und firunwärts ziehenden Karenherden; von hitzigen Gewittern und trockenem Heu im Herbst. In diesem Winter aber, da Borbarad, der verfluchte Dämonenmeister nach Aventurien zurückgekehrt ist, schmeckt der Steppenwind nach Brand und Mord …
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer

Zusatzinformationen:
Keine Angaben.

Bewertung der Redaktion

Fazit

Wir sind in der Borbarad-Zeit bei den Romanen angekommen. Auch Der Lichtvogel von Hadmar von Wieser wird in diese Epoche fallen – und mit Steppenwind betreten wir nun endgültig jenen dunklen Abschnitt der aventurischen Geschichte, der langfristig alles verändern wird. Ich habe Steppenwind gelesen, weil ich mir vorgenommen habe, nach und nach alle DSA-Romane zu lesen, und nach Das Gesicht am Fenster von Bernhard Hennen bewusst einen Roman wollte, der stärker im großen aventurischen Metaplot verankert ist.

Gerade die Borbarad-Zeit übt auf mich eine besondere Faszination aus, da sie Aventurien nicht nur erzählerisch, sondern auch spielweltlich nachhaltig prägt. Steppenwind gilt als einer jener Romane, die weniger durch spektakuläre Ereignisse als vielmehr durch ihre Einbettung in den historischen Kontext wirken. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie Niels Gaul diese Epoche literarisch umsetzt.

Im Folgenden bespreche ich Inhalt, Figuren und Atmosphäre des Romans, bevor am Ende – wie gewohnt – meine persönliche Meinung und Wertung stehen.

Inhalt

Charakterbeschreibung

Die Figuren in Steppenwind sind insgesamt klassisch angelegt, dabei jedoch bewusst unspektakulär. Sie sind weniger Helden im epischen Sinne, sondern eher Beobachter und Beteiligte eines größeren Geschehens, das sie selbst nur begrenzt beeinflussen können.

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Charakteren, die sich im Umfeld einer abgelegenen Burg in der Steppe bewegt. Diese Burg – ebenso wie ihre Besatzung – fungiert weniger als eigenständiger Akteur, sondern vielmehr als Brennglas für die politischen und militärischen Spannungen der Zeit. Die handelnden Personen sind Offiziere, Soldaten, Adlige und Bedienstete, die in ihrem jeweiligen Rollenverständnis gefangen sind.

Besonders auffällig ist, dass kaum eine Figur wirklich emotional „überhöht“ wird. Stattdessen begegnen uns Menschen, die pflichtbewusst handeln, zweifeln, beobachten und reagieren. Das ist einerseits realistisch und zur Borbarad-Zeit passend, andererseits erschwert es die emotionale Bindung an einzelne Charaktere.

Die Figuren erfüllen vor allem funktionale Rollen:

  • der pflichtbewusste Befehlshaber,

  • der nachdenkliche Untergebene,

  • der misstrauische Grenzbewohner,

  • der Vertreter einer bedrohten Ordnung.

Tiefe Charakterentwicklung im klassischen Sinne bleibt eher zurückhaltend. Das mag Absicht sein, da der Roman weniger individuelle Schicksale als vielmehr einen historischen Zustand abbilden möchte. Dennoch führt dies dazu, dass die Figuren teilweise distanziert wirken.

Nacherzählung

Steppenwind spielt in den Weiten der östlichen Steppen Aventuriens, fernab der großen Metropolen. Die Handlung ist bewusst geradlinig angelegt und folgt einer klaren Linie: Eine abgelegene Burg dient als militärischer und strategischer Vorposten in einer zunehmend instabilen Region.

Schon früh wird deutlich, dass sich etwas zusammenbraut. Unruhe in der Steppe, Gerüchte über dunkle Mächte, militärische Spannungen und das Gefühl einer drohenden Katastrophe ziehen sich durch den gesamten Roman. Konkrete Namen oder klare Hinweise auf Borbarad selbst werden jedoch kaum genannt – vieles bleibt Andeutung, Vorahnung und unterschwellige Bedrohung.

Der Roman begleitet die Figuren durch ihren Alltag: Wachgänge, Gespräche, Planungen, kleine Konflikte. Dabei entsteht das Bild einer Welt, die noch funktioniert, aber bereits Risse zeigt. Die Gefahr ist nicht unmittelbar greifbar, sondern liegt wie ein schwerer Schatten über allem.

In mehreren Abschnitten wird deutlich, dass die Geschehnisse parallel zu den Ereignissen aus Das zerbrochene Rad von Ulrich Kiesow verlaufen. Steppenwind ist somit ein Parallelroman, der nicht die großen Schlachten oder zentralen Helden der Borbarad-Kampagne zeigt, sondern einen Blick auf die Peripherie wirft.

Die Handlung kulminiert schließlich in einer Eskalation, die weniger durch spektakuläre Action als durch das Scheitern bestehender Sicherheiten geprägt ist. Ordnung bricht zusammen, Gewissheiten lösen sich auf, und am Ende bleibt das Gefühl, dass dies nur der Anfang von etwas weitaus Größerem ist.

Szenendarstellung / Atmosphäre

Hier liegt zweifellos die größte Stärke von Steppenwind. Niels Gaul versteht es hervorragend, Landschaft, Umgebung und Architektur lebendig zu beschreiben. Die Steppe wird nicht nur als geografischer Raum dargestellt, sondern als eigenständige Kraft: endlos, windgepeitscht, unbarmherzig und zugleich faszinierend.

Besonders die Burg ist eindrucksvoll geschildert. Ihre Mauern, Höfe, Türme und Innenräume wirken greifbar und glaubwürdig. Man spürt die Kälte, den Wind, die Abgeschiedenheit – und die latente Angst, die mit dieser Isolation einhergeht.

Allerdings ist diese Stärke zugleich eine Schwäche. Der Schreibstil ist stellenweise sehr schwerfällig. Beschreibungen nehmen oft eine ganze Seite ein, ohne die Handlung voranzutreiben. Wer detaillierte Milieuschilderungen liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen; wer ein höheres Erzähltempo bevorzugt, könnte sich schnell ermüdet fühlen.

Atmosphärisch passt dieser Stil jedoch zur Borbarad-Zeit. Die Bedrohung ist nicht laut, sondern schleichend. Es ist das leise Knirschen der Ordnung, das den Roman prägt. In dieser Hinsicht ist Steppenwind stimmig und konsequent.

Fazit

Steppenwind ist ein Roman, der sich klar an DSA-Kenner richtet. Leserinnen und Leser, die mit der Borbarad-Kampagne vertraut sind oder ein besonderes Interesse an der aventurischen Geschichte haben, werden hier viele Anknüpfungspunkte finden. Wer hingegen einen eigenständigen, spannungsgetriebenen Roman sucht, könnte enttäuscht werden.

Positiv hervorzuheben sind für mich eindeutig die Beschreibungen der Gegend, der Burg, der Umgebung und der allgemeinen Stimmung. Diese Elemente sind eindrucksvoll, stimmig und sehr gut in das aventurische Gesamtbild eingebettet. Man spürt, dass dieser Roman ein Puzzlestück in einem größeren historischen Mosaik ist.

Negativ fiel mir vor allem der schwere, teilweise ausschweifende Schreibstil auf. Manche Beschreibungen hätten deutlich gestrafft werden können, ohne an Wirkung zu verlieren. Zudem empfand ich die Handlung als sehr geradlinig. Zwar ist diese Geradlinigkeit im historischen Kontext sinnvoll, erzählerisch wirkt sie jedoch wenig überraschend.

Ein weiterer Punkt ist die zurückhaltende Nennung Borbarads. Obwohl der Roman klar in dieser Epoche spielt und thematisch dazugehört, wird Borbarad selbst kaum explizit erwähnt. Das erfordert vom Leser ein gewisses Vorwissen und macht den Roman weniger zugänglich für Einsteiger.

Insgesamt ist Steppenwind ein solider, atmosphärisch dichter, aber auch sperriger DSA-Roman. Er ist wichtig für das Verständnis der Borbarad-Zeit, richtet sich jedoch klar an ein Publikum, das tiefer im DSA-Universum steckt.

Unten in den Kommentaren kannst du den Roman selber bewerten.

Bildquellen

  • Steppenwind DSA Roman R25: Krzysztof Wlodkowski © Alle Rechte vorbehalten. ©Heyne Alle Rechte vorbehalten.
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