Heldenschwur
Inhalt „Heldenschwur“
Bewundernd erzählt man sich so manche Geschichte über die Heroischen Vier und ihre Heldentaten. Inzwischen haben sich die Wege der Gefährten getrennt, doch sie wissen, daß eine Nachlässigkeit aus der Vergangenheit sie jederzeit einholen kann, wo immer sie sich aufhalten. Sie hoffen, daß dieser Tag nie kommen möge.
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer
Zusatzinformationen:
Keine Angaben.
Bewertung der Redaktion
- Bewertung
Fazit
Nachdem ich zuletzt den Kurzgeschichten-Sammelband „Von Menschen und Monstern“ und das Heldenbrevier Havena gelesen hatte, ging es für mich wieder mit der eigentlichen DSA-Romanreihe weiter. Mein Ziel ist es weiterhin, alle offiziellen DSA-Romane chronologisch zu lesen und anschließend hier auf meiner Webseite vorzustellen. Mit „Heldenschwur“ von Johan Kerk erwartete mich diesmal ein klassischer Abenteuerroman, der sich bewusst auf eine kleine Gruppe erfahrener Helden konzentriert. Gerade solche Geschichten mag ich grundsätzlich sehr, da sie oft das Gefühl vermitteln, selbst Teil einer DSA-Spielrunde zu sein. Ob dieser Ansatz für mich funktioniert hat, erfahrt ihr im folgenden Artikel – meine persönliche Meinung gibt es wie immer im Fazit.
Inhalt
Charakterbeschreibung
Die größte Stärke von Heldenschwur sind für mich eindeutig seine Figuren. Johan Kerk nimmt sich viel Zeit, seine Hauptcharaktere einzuführen und ihnen eine glaubwürdige Vergangenheit zu geben. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, dass diese Helden tatsächlich schon viele Abenteuer gemeinsam erlebt haben.
Baldur von Vahrenfels
Im Mittelpunkt steht Baldur von Vahrenfels, ein ehemaliger Held, der sich nach vielen Schicksalsschlägen auf seine Burg zurückgezogen hat. Er wirkt nachdenklich, ruhig und oftmals von seiner Vergangenheit eingeholt. Gerade diese Mischung aus Pflichtgefühl und inneren Zweifeln macht ihn zu einem sympathischen Protagonisten. Man merkt schnell, dass er eigentlich kein neues Abenteuer mehr erleben möchte, seinem alten Schwur aber dennoch treu bleibt.
Fianna
Fianna ergänzt Baldur sehr gut. Sie ist selbstbewusst, entschlossen und besitzt genügend Eigenständigkeit, um nicht nur Begleiterin der Hauptfigur zu sein. Ihre Beziehung zu Baldur entwickelt sich nachvollziehbar, auch wenn sie für meinen Geschmack etwas vorhersehbar geschrieben wurde.
Boromir
Boromir gehört zu meinen Lieblingsfiguren des Romans. Er bringt Erfahrung, Humor und eine gewisse Gelassenheit mit in die Gruppe. Seine Dialoge lockern viele Szenen angenehm auf, ohne dabei albern zu wirken.
Thorben
Obwohl Thorben bereits vor Beginn der eigentlichen Handlung verstorben ist, gehört er dennoch zu den wichtigsten Figuren des Romans. Seine ehemaligen Gefährten besuchen sein Gehöft, wo sie von seiner Witwe Leira und seiner Tochter Fianna empfangen werden. Durch ihre Erzählungen erfährt der Leser, wie sehr sich Thorben nach den letzten gemeinsamen Abenteuern verändert hatte. Eine schwere Verletzung hinterließ nicht nur körperliche, sondern auch seelische Spuren, bis Boron ihn schließlich zu sich rief.
Orgon
Orgon empfand ich als einen der interessantesten Charaktere. Seine Motivation und seine Sichtweise unterscheiden sich deutlich von den anderen Helden. Dadurch bringt er immer wieder neue Impulse in die Handlung und bleibt lange im Gedächtnis.
Irian
Baldurs treuer Diener Irian nimmt zwar nur eine kleinere Rolle ein, sorgt aber für einen gelungenen Einstieg in den Roman. Durch seine Beobachtungen lernt der Leser Baldur zunächst aus einer Außenperspektive kennen, was hervorragend funktioniert.
Insgesamt gelingt es Johan Kerk sehr gut, seine Figuren voneinander abzugrenzen. Jeder besitzt eigene Stärken, Schwächen und Beweggründe. Genau dadurch lebt der Roman deutlich stärker von seinen Charakteren als von seiner eigentlichen Handlung.
Nacherzählung (Spoiler-Alert)
Die Geschichte beginnt damit, dass Baldur von Vahrenfels durch einen geheimnisvollen Beilunker Reiter an einen alten Schwur erinnert wird. Obwohl er sein Leben als Abenteurer längst hinter sich gelassen hat, sieht er sich gezwungen, seine ehemaligen Gefährten erneut zusammenzurufen.
Im ersten Teil des Romans begleitet der Leser Baldur dabei, die Mitglieder der einst berühmten Heldengruppe wiederzufinden. Johan Kerk nimmt sich bewusst viel Zeit für diese Wiedersehen. Dabei erfährt man nicht nur, wie unterschiedlich sich die ehemaligen Helden entwickelt haben, sondern auch, welche Spuren die vergangenen Abenteuer in ihrem Leben hinterlassen haben.
Nachdem die Gruppe schließlich wieder vereint ist, beginnt ihre eigentliche Mission. Gemeinsam reisen die Helden durch Aventurien und stellen sich einer Bedrohung, die eng mit ihrem früheren Schwur verbunden ist. Die Handlung entwickelt sich dabei bewusst als klassische Abenteuerreise. Überraschende Wendungen stehen weniger im Mittelpunkt als vielmehr die Dynamik innerhalb der Gruppe und das Wiederaufleben alter Freundschaften.
Gerade deshalb erinnerte mich der Roman immer wieder an eine ausgeschriebene Pen-&-Paper-Runde. Viele Begegnungen und Herausforderungen wirken so, als könnte man sie nahezu unverändert selbst am Spieltisch erleben. Dieser klassische Abenteuercharakter hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Szenendarstellung / Atmosphäre
Atmosphärisch orientiert sich Heldenschwur stark an klassischen Fantasyromanen. Johan Kerk beschreibt Burgen, Baronien, Wälder und kleine Dörfer Aventuriens anschaulich, ohne sich dabei in langen Landschaftsbeschreibungen zu verlieren. Dadurch bleibt der Lesefluss jederzeit angenehm.
Besonders gelungen sind die Dialoge zwischen den ehemaligen Gefährten. Man spürt schnell, dass diese Figuren eine gemeinsame Vergangenheit verbindet. Alte Erinnerungen, kleine Sticheleien und gegenseitiger Respekt verleihen den Gesprächen eine angenehme Natürlichkeit.
Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist locker, flüssig und leicht verständlich. Nach einigen sprachlich anspruchsvolleren DSA-Romanen empfand ich das als sehr angenehm. Gleichzeitig schafft es Johan Kerk, sowohl die unterschiedlichen Charaktere als auch die bereisten Regionen stimmungsvoll zu beschreiben.
Allerdings zeigt sich hier auch eine kleine Schwäche des Romans. Der erste Teil nimmt sich sehr viel Zeit für das Wiedersehen der Helden. Dadurch bleibt für die eigentliche Mission vergleichsweise wenig Platz. Sobald diese beginnt, verläuft die Handlung recht geradlinig und bietet nur wenige größere Überraschungen. Hier hätte ich mir eine etwas ausgewogenere Gewichtung gewünscht. Außerdem wirkt die Bedrohung recht generisch und weniger eindrucksvoll. Hier schafft es der Autor leider nicht, diese Dramaturgie der betroffenen Helden richtig darzustellen. Auch ist die Ortsbeschreibung recht vage, sodass man nicht genau einordnen kann, wo sich diese Mission final abspielt.
Fazit
Heldenschwur ist für mich ein klassischer DSA-Abenteuerroman, dessen größte Stärke eindeutig seine Figuren sind. Johan Kerk erzählt keine besonders komplexe Geschichte, sondern konzentriert sich bewusst auf eine Gruppe ehemaliger Helden, die für eine letzte gemeinsame Mission noch einmal zusammenfinden muss.
Viele Kritiker vergleichen den Roman mit „Der Bronzefürst“ von David Gemmell und sehen darin eine sehr deutliche Vorlage. Da ich diesen Roman allerdings selbst nicht kenne, spielte dieser Vergleich für meine persönliche Bewertung keine Rolle. Erwähnen wollte ich ihn dennoch, da er in vielen Rezensionen immer wieder angesprochen wird.
Positiv fand ich vor allem den lockeren Schreibstil, der nicht nur die unterschiedlichen Charaktere hervorragend in Szene setzt, sondern auch ihre Umgebung und die bereisten Regionen lebendig beschreibt. Das Wiedersehen der ehemaligen Helden nimmt zwar einen großen Teil des Romans ein und hätte stellenweise etwas gestrafft werden können, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass jeder einzelne Alt-Held charakterlich besonders gut zur Geltung kommt.
Der eigentliche zweite Teil der Geschichte bekommt dadurch allerdings etwas weniger Raum. Die Mission selbst verläuft insgesamt recht geradlinig und war für mich häufig vorhersehbar. Auch die Entwicklung zwischen Baldur und Fianna zeichnete sich relativ früh ab und konnte mich am Ende deshalb kaum noch überraschen. Figuren wie Boromir oder Orgon bleiben mir dagegen deutlich stärker im Gedächtnis und bereichern den Roman spürbar.
Dennoch las sich Heldenschwur für mich fast wie ein ausgeschriebenes DSA-Abenteuer, das man mit einigen Anpassungen problemlos selbst am Spieltisch nachspielen könnte. Genau dieses klassische Abenteuergefühl macht einen großen Teil seines Charmes aus. Wer eine tiefgründige Intrigengeschichte erwartet, wird hier vermutlich weniger auf seine Kosten kommen. Wer hingegen eine sympathische Heldengruppe, einen flüssigen Schreibstil und viel Aventurien-Flair sucht, bekommt eine unterhaltsame und angenehm leichte Lektüre.
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Bildquellen
- Heldenschwur DSA Roman R31: Manfred Halder © Alle Rechte vorbehalten. ©Heyne Alle Rechte vorbehalten.

