Von Menschen und Monstern
Seitenzahl: 284 Seiten
Autor: Ulrich Kiesow, Barbara Büchner, Stephan Johach, Stefan Küppers, Lars Feddern, Ina Kramer, Christel Scheja, Hadmar von Wieser
Cover: Manfred Halder
Illustration: Ralf Hlawatsch
Region: Baronie Draustein, Dorf Gilgins, Bornwald, Gareth, Vinsalt, Havena, Gasthof Gelber Ochse, Andergast
Erschienen: Februar 1998
Bei: Heyne
Buchnummer: R30
Erhältlich bei: Ulisses
Inhalt „Von Menschen und Monstern“
Wenn das Feuer im Kamin prasselt und das Heulen der Wölfe durch die Nacht weht, rücken die Menschen enger zusammen, denn die Stunde der Skalden und Barden ist gekommen.
Mit Ulrich Kiesow, Christel Scheja, Hadmar von Wieser und anderen hat Ina Kramer in diesem Band die besten aventurischen Erzähler um sich versammelt.
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer
Zusatzinformationen:
In diesem Buch sind mehrere Kurzgeschichten enthalten.
Am großen Fluß von Ulrich Kiesow
Das Wesen im Schloß von Barbara Büchner
Der Menschenfresser von Stephan Johach
Eine Geschichte dreier Raben von Stefan Küppers
Gaukeleien von Lars Feddern
Nach der Predigt von Ina Kramer
Ratte von Christel Scheja
Tronde geht feiern von Hadmar von Wieser
Bewertung der Redaktion
- Bewertung
Fazit
Ich lese mich weiterhin chronologisch durch die DSA-Romanreihe und bin dabei inzwischen bei einem Sammelband angekommen: Von Menschen und Monstern. Nachdem ich zuletzt Aus dunkler Tiefe von Barbara Büchner gelesen habe – die auch in diesem Band vertreten ist – war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch, vor allem was düstere und atmosphärisch dichte Geschichten angeht.
Kurzgeschichtenbände sind dabei immer eine besondere Herausforderung, denn sie leben stark von der Vielfalt ihrer Autoren und Ideen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass nicht jede Geschichte gleichermaßen überzeugen kann. Gerade im DSA-Kontext ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich Aventurien interpretiert und dargestellt wird.
Der Sammelband vereint mehrere bekannte Autoren der DSA-Welt, darunter auch Ina Kramer, Ulrich Kiesow und Hadmar von Wieser, und bietet damit eine breite Mischung aus Stilen und Themen
Am Großen Fluß – von Ulrich Kiesow
Eine schöne Geschichte um den Flußvater und die angrenzenden Bewohner am Großen Fluß. Besonders gelungen ist die Darstellung der Naturgewalten und die Verbindung zwischen Mensch und Mythos. Der Fluß wird nicht nur als geografisches Element dargestellt, sondern erhält beinahe eine eigene Persönlichkeit.
Die Geschichte lebt stark von ihrer Atmosphäre: Mal ruhig und beinahe idyllisch, dann wieder düster und bedrückend. Gerade die Szenen rund um die Überschwemmungen erzeugen ein Gefühl von Bedrohung, das gut vermittelt wird. Gleichzeitig bleibt Raum für Interpretation – ist der Flußvater real oder nur ein Mythos?
Ich würde 4 von 5 Sternen geben, da die Geschichte sehr bildlich und stimmungsvoll erzählt ist und gleichzeitig den Mythos des Flußvaters weiter anheizt. Zudem bietet sie genug offene Ansätze, um sie im eigenen Spiel weiterzudenken.
Das Wesen im Schloß – von Barbara Büchner
Eine düstere, märchenhafte Geschichte von einem kleinen Mädchen, das in ein Schloss gelockt wird und dort einer unheimlichen Bedrohung begegnet. Die Handlung erinnert bewusst an klassische Märchenmotive, wird aber deutlich finsterer und beklemmender umgesetzt.
Gerade die Szenen nach dem Essen gehören zu den stärksten Momenten der Geschichte. Die unterschwellige Bedrohung, die sich langsam steigert, sorgt für ein sehr unangenehmes Gefühl beim Lesen – im positiven Sinne. Man merkt hier deutlich die Stärke von Barbara Büchner, eine bedrückende Atmosphäre aufzubauen.
Diese Geschichte bleibt im Gedächtnis, weil sie emotional wirkt und den Leser nicht einfach loslässt.
Daher vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.
Der Menschenfresser – von Stephan Johach
Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass es sich um eine eher nervige Kindergeschichte handeln könnte – und tatsächlich bestätigt sich dieser Eindruck zu Beginn ein wenig.
Doch schon nach kurzer Zeit entwickelt sich die Geschichte in eine deutlich interessantere Richtung. Durch die Perspektive der Kinder entsteht ein spannender Blick auf eine fremde und unverständliche Welt. Der sogenannte „Menschenfresser“ wird dabei nicht einfach als Monster dargestellt, sondern bleibt lange Zeit ein Rätsel.
Die Geschichte lebt davon, dass man als Leser selbst herausfinden möchte, was hinter dem Begriff steckt. Allerdings fehlt es ihr etwas an Tiefe, was bei der Länge einer Kurzgeschichte aber auch nachvollziehbar ist.
Daher gebe ich hier 3,5 von 5 Sternen.
Eine Geschichte dreier Raben – von Stefan Küppers
Ich mag grundsätzlich Geschichten rund um „Kinder der Nacht“ oder ähnliche düstere Themen, wie ich auch schon bei anderen Rezensionen erwähnt habe.
Leider konnte mich diese Kurzgeschichte nicht ganz überzeugen. Sie wirkt stellenweise vorhersehbar und teilweise auch etwas skurril. Zwar sind einzelne Szenen schön beschrieben, doch der Spannungsbogen bleibt eher flach.
Hinzu kommt, dass mir die Grundidee nicht besonders neu vorkam. Man hat das Gefühl, ähnliche Geschichten bereits in anderer Form gelesen zu haben.
Aufgrund der soliden, aber nicht herausragenden Umsetzung vergebe ich 2,5 von 5 Sternen.
Gaukeleien – von Lars Feddern
Hier muss ich ehrlich sagen, dass mir die Geschichte im Nachhinein kaum noch präsent ist. Zwar geht es um einen Schelm und seine Koboldsippe, doch die Handlung bleibt nicht wirklich im Gedächtnis.
Das ist natürlich immer ein schlechtes Zeichen für eine Kurzgeschichte. Sie ist vergleichsweise kurz und bietet wenig Raum für Entwicklung oder Tiefgang. Dadurch wirkt sie eher wie eine nette Idee als wie eine vollständig ausgearbeitete Geschichte.
Deshalb vergebe ich hier 2 von 5 Sternen (sorry, aber sie hat mich einfach nicht nachhaltig erreicht).
Nach der Predigt – von Ina Kramer
Diese Geschichte habe ich als Hörbuch erlebt und in zwei längeren Passagen direkt durchgehört. Sie gehört für mich zu den stärkeren Beiträgen des Sammelbandes.
Ein Praios-Geweihter hadert mit seinem Glauben, was sehr eindrucksvoll dargestellt wird. Die innere Zerrissenheit und der Zweifel werden glaubwürdig und atmosphärisch dicht beschrieben.
Zwar bin ich persönlich kein großer Fan von Traum- oder Schlafgeschichten, da sie oft erzählerische Wendungen ermöglichen, die alles relativieren. Doch hier gelingt es Ina Kramer, diesen Ansatz sinnvoll einzusetzen.
Die meditative, beinahe philosophische Stimmung hebt die Geschichte hervor.
Daher vergebe ich 4 von 5 Sternen.
Ratte – von Christel Scheja
Diese Geschichte überzeugt vor allem durch ihre interessanten Charaktere. Jeder von ihnen hat seinen eigenen inneren Konflikt, der nachvollziehbar dargestellt wird.
Die Handlung besitzt einen guten Spannungsbogen, auch wenn sie durch die Kürze etwas eingeschränkt ist. Man merkt, dass hier Potenzial für mehr Tiefgang vorhanden gewesen wäre.
Dennoch funktioniert die Geschichte insgesamt gut und bietet ein rundes Erlebnis. Besonders schön ist, dass das zunächst düstere Geschehen am Ende eine positivere Wendung nimmt.
Daher vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.
Tronde geht feiern – von Hadmar von Wieser
Diese Geschichte ist kurzweilig und unterhaltsam, wirkt aber stellenweise etwas zu skurril. Der humorvolle Ansatz ist klar erkennbar und passt grundsätzlich gut zur Figur und zur Situation.
Allerdings wiederholt sich der Verfolger von Tronde etwas zu häufig, wodurch die Geschichte an Dynamik verliert. Der Schreibstil ist typisch für Hadmar von Wieser und grundsätzlich passend, hätte aber meiner Meinung nach etwas mehr Atmosphäre vertragen können.
So bleibt am Ende eine amüsante, aber nicht überragende Geschichte zurück.
Daher vergebe ich 2,5 von 5 Sternen.
Fazit
Von Menschen und Monstern ist ein klassischer DSA-Kurzgeschichtenband mit all seinen Stärken und Schwächen. Die einzelnen Geschichten sind sehr unterschiedlich – sowohl in Stil als auch in Qualität.
Man merkt deutlich, dass hier verschiedene Autoren mit ganz eigenen Ansätzen am Werk sind. Das sorgt für Abwechslung, führt aber auch dazu, dass nicht jede Geschichte gleichermaßen überzeugt. Manche bleiben lange im Gedächtnis, andere geraten schnell wieder in Vergessenheit.
Besonders positiv ist, dass der Band eine breite Palette an Stimmungen bietet:
- mal locker und humorvoll,
- mal düster und beklemmend,
- mal philosophisch und nachdenklich.
(Und ja: „flüssig“ sind die Geschichten teilweise auch zu lesen – Wortwitz beabsichtigt 😄)
Unterm Strich bleiben mir die meisten Geschichten positiv in Erinnerung, auch wenn ich nicht alle noch einmal lesen müsste. Gerade die stärkeren Beiträge zeigen aber, wie viel Potenzial in aventurischen Kurzgeschichten steckt.
Gesamtnote: 3,5 von 5 Sternen.
Ein abwechslungsreicher Sammelband mit Höhen und Tiefen, der vor allem durch seine Vielfalt überzeugt und für jeden DSA-Fan zumindest einige sehr gelungene Geschichten bereithält.
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Bildquellen
- Von Menschen und Monstern DSA Roman R30: Manfred Halder © Alle Rechte vorbehalten. ©Heyne Alle Rechte vorbehalten.

