Tod eines Königs – DSA-Roman R34

Tod eines Königs

Tod eines Königs DSA Roman R34
Arndt Drechsler © Heyne / Alle Rechte vorbehalten
Zeitangabe Aventurien: 771 bis 807 BF und 1018 BF
Seitenzahl:
288 Seiten
Autor: Karl-Heinz Witzko
Cover: Arndt Drechsler
Illustration: Keine Angabe
Region: Maraskan, Warunk, Tuzak, Alrurdan, Praiobab, Gräflich Sanzerforst
Erschienen: Februar 1998
Bei: Heyne
Buchnummer: R34
Erhältlich bei: Ulisses

Inhalt „Tod eines Königs“

»Lange haben wir es nicht mehr gesehen«, wisperten die Schmetterlinge spöttisch.
»Was begehrt es von uns? Sollen wir ihm schaden, ihm raten oder es grüßen: Hoch, König von Maraskan?«
»Ich bin Dajin, Herrscher dieser Insel, Haran aller Harans«, antwortete der Gegürtete wachsam und furchtlos. (Obschon er nicht wußte, daß dieser Roman nur den ersten Teil seiner Leben erzählte.)
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer

Zusatzinformationen:
Die Romane Treibgut, Spuren im Schnee sind Vorgängerromane.

Dieser Roman stellt den ersten Band der Serie König Dajins Leben dar.

Bewertung der Redaktion

  • Bewertung
4

Fazit

Einleitung

Nachdem ich zuletzt mit „Das Galgenschloss“ den 33. Band der klassischen DSA-Romanreihe gelesen und Zwischendurch noch das Heldenbrevier zu den Dampfenden Dschungeln gehört hatte, geht meine Reise durch die aventurische Romanwelt natürlich weiter. Mein Ziel bleibt schließlich, irgendwann alle DSA-Romane gelesen zu haben und sie nach und nach hier auf der Seite vorzustellen. Mit „Tod eines Königs“ kehrt Karl-Heinz Witzko als Autor zurück, von dem ich bereits Treibgut und Spuren im Schnee gelesen habe – diesmal führt er uns jedoch mitten hinein in eine Region, die wie kaum eine andere mit seinem Namen verbunden ist: Maraskan. Der Roman bildet den ersten Teil einer Reihe über das Leben König Dajins und verbindet dabei seine Vergangenheit mit einer Handlung in der aventurischen Gegenwart. Wie gut mir diese Reise in das Leben des verlorenen Erben gefallen hat und ob Maraskan auch als Romanschauplatz überzeugen kann, erfahrt ihr wie immer ausführlich in meinem persönlichen Fazit.

Inhalt

Bereits der vollständige Untertitel des Buches verrät einiges über den Aufbau: „Das Leben König Dajins in Vergangenheit und Gegenwart – Teil 1“. Der Roman springt also nicht einfach nur in die Vergangenheit Maraskans, sondern verbindet die Geschichte Dajins immer wieder mit Passagen aus der Gegenwart.

Die Kapitelstruktur unterstreicht dies deutlich. Zwischen längeren historischen Abschnitten wie Die Braut in Weiß, Lilien in ihrem Haar, Das stumme Land, Wehen, Die Hebammen und Geburt eines Königs stehen regelmäßig Passagen aus Rondirais Tagebuch.

Im Kern erzählt der Roman jedoch davon, wie aus einem Jungen, der fernab jeder höfischen Welt aufwächst, schließlich ein Mann wird, der erkennen muss, dass seine Herkunft eine wesentlich größere Bedeutung besitzt, als er selbst lange vermutet.

Charakterbeschreibung

Dajin

Im Mittelpunkt steht natürlich Dajin, wobei Witzko erfreulicherweise nicht einfach einen geborenen Herrscher präsentiert. Der Dajin, den wir über weite Strecken kennenlernen, ist zunächst alles andere als ein König. Er wächst in dem kleinen Dorf Praiobab bei seinen beiden Pflegevätern auf und kennt seine wahre Herkunft nicht.

Diese Kindheit ist wichtig, weil sie den späteren König prägt. Dajin wächst nicht in einem Palast zwischen Hofzeremoniell und Machtpolitik auf, sondern innerhalb einer Dorfgemeinschaft. Seine beiden Väter lieben ihn aufrichtig und versuchen, ihm ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Dass er einst unter einem Jiranstrauch gefunden wurde, begleitet ihn jedoch unterschwellig und lässt ihn früh über seine Herkunft nachdenken.

Dajin ist dabei keineswegs das Musterkind. Gerade in seiner Jugend fällt er durch heftige Wutausbrüche und Prügeleien auf. Selbst seinen Freund Hadijian verletzt er schwer, während er im Nachhinein teilweise kaum erklären kann, warum er überhaupt so gehandelt hat.

Diese Seite fand ich für seine Charakterentwicklung interessant. Witzko schreibt hier keinen perfekten zukünftigen König, bei dem schon als Kind alle erkennen, dass er zu Großem bestimmt ist. Im Gegenteil: Dajin muss sich selbst erst finden. Immer wieder empfindet er das Gefühl, nicht richtig in sein eigenes Leben zu passen – er beschreibt es sinngemäß so, als würde er ständig schlecht sitzende Kleidung tragen, die entweder zu weit oder zu eng ist.

Gerade dieses Gefühl passt hervorragend zu einem verlorenen Erben, der selbst nichts von seiner Abstammung weiß.

Ramelusab

Eine der wichtigsten Figuren für Dajins Geschichte ist Ramelusab. Sie war Gardistin des ersten Königs Dajin und verbindet damit Vergangenheit und Zukunft der königlichen Linie. Der Personenanhang bezeichnet sie ausdrücklich als Gardistin Dajins I.

Bereits die Eröffnung des Romans gibt ihr einen starken Auftritt. Während der Palast angegriffen und die königliche Familie ermordet wird, versucht sie sich trotz Verletzungen durch die überfallene Anlage zu bewegen. Gerade diese ersten Kapitel gehören für mich zu den spannenderen Passagen des Romans. Die Situation ist chaotisch, blutig und für Ramelusab kaum zu überblicken. Witzko vermittelt dabei glaubwürdig, wie ein scheinbar sicherer Palast innerhalb kürzester Zeit zum Schlachtfeld wird.

Für Dajin wird Ramelusab später zu einer wichtigen Verbindung zu einer Vergangenheit, an die er selbst keinerlei Erinnerung besitzt. Besonders schön ist, dass sie ihm nicht bloß Fakten über seine Familie liefert, sondern auch mit seinen Vorstellungen von sich selbst und seiner neuen Rolle umgehen muss.

Interessant fand ich beispielsweise die Szene im Rur-und-Gror-Tempel. Dajin begegnet dort einer Glaubenswelt, die für andere Maraskaner selbstverständlich ist, für ihn selbst jedoch in dieser Form neu erscheint. Gleichzeitig zeigt sich in seinem Gespräch mit Ramelusab bereits viel von jener maraskanischen Weltsicht, die Witzko so überzeugend darstellen kann.

Großer Vater und Väterchen

Großer Vater und Väterchen gehören für mich zu den sympathischsten Figuren des Romans. Sie sind Dajins Pflegeeltern und machen deutlich, dass Familie auf Maraskan nicht zwingend so aussehen muss, wie ein Leser aus dem Mittelreich sie vielleicht erwarten würde.

Ihre Liebe zu Dajin wird nicht bloß behauptet, sondern in vielen kleinen Szenen gezeigt. Besonders eindrucksvoll ist eine Passage, in der sie aus Angst vor einer äußeren Bedrohung darüber nachdenken, ihren Sohn zu verstümmeln. Sie bringen es jedoch nicht fertig. Als Großer Vater schließlich mit dem Messer vor dem betäubten Jungen steht, zerbricht er emotional an dem Gedanken.

Diese Szene sagt enorm viel über beide Figuren und ihre Beziehung zu Dajin aus. Sie sind keine großen Helden oder politischen Entscheidungsträger, aber sie geben der Geschichte eine emotionale Grundlage.

Ornibijian

Ornibijian, Ramelusabs Sohn, wird ebenfalls zu einer wichtigen Figur in Dajins Umfeld. Er fungiert unter anderem als Übersetzer und Vermittler, denn ein interessantes Detail ist, dass Dajin trotz seiner maraskanischen Herkunft sprachlich und kulturell keineswegs automatisch in die Welt der Herrschenden passt.

Gerade hier zeigt sich, wie fremd ihm seine eigene zukünftige Position zunächst ist. Die Edlen, die ihn suchen, verstehen seine Sprache teilweise kaum, während Ornibijian vermittelt.

Später bleibt er an Dajins Seite und wird zu einer Person, der der zukünftige König vertraut.

Balatravis du Shoy’Rina

Balatravis du Shoy’Rina ist Dajins spätere Königin und eine wichtige politische wie persönliche Figur in seinem Leben. Sie wird als sehr schöne, selbstbewusste und zugleich schwer zu durchschauende Frau dargestellt. Dajin fühlt sich stark zu ihr hingezogen, während andere Figuren – allen voran Ramelusab – deutlich skeptischer auf sie blicken und Dajin sogar vorwerfen, sich von seiner Begierde blenden zu lassen.

Rondirai Gösselbögen

Eine ganz andere Perspektive bietet Rondirai Gösselbögen, eine Agentin aus dem Neuen Reich. Ihre Tagebucheinträge unterbrechen regelmäßig die historische Haupthandlung und verlagern die Geschichte in die aventurische Gegenwart.

Rondirai soll Informationen über Dajin VII. sammeln und gibt sich deshalb auf Maraskan als Gelehrte aus, die ein Werk über den verstorbenen König schreiben möchte. Zu ihrer Überraschung stößt sie dabei auf Menschen, die überzeugt sind, der „Große König“ sei keineswegs tot.

Ihre Abschnitte unterscheiden sich sprachlich stark von den historischen Passagen. Sie sind unmittelbarer, manchmal ironischer und zeigen vor allem, wie fremdartig Maraskan aus Sicht einer Außenstehenden wirken kann.

Das ist eine clevere Ergänzung, weil der Leser dadurch gleichzeitig Maraskan von innen und von außen erlebt.

Karhimasab, Hadijian und Delilahsab

Auch Dajins Freunde aus seiner Jugend tragen dazu bei, ihn als normalen Menschen kennenzulernen, bevor seine Herkunft sein Leben verändert.

Hadijian ist ein Jugendfreund, mit dem Dajin allerdings auch gewaltsam aneinandergerät. Delilahsab gehört ebenfalls zu seinen Jugendbekanntschaften. Karhimasab ist von noch größerer Bedeutung, da sie später Dajins zweite Frau wird. Der Personenanhang bestätigt diese Verbindungen ausdrücklich.

Gerade diese persönlichen Beziehungen machen Dajin interessanter als eine reine historische Figur. Er hat Freunde, verletzt Menschen, verliebt sich, trifft schlechte Entscheidungen und blickt später mit Bedauern auf Teile seines Lebens zurück.

Nacherzählung [SPOILER ANFANG]

Der Roman beginnt mit einem blutigen Umsturz im Palast von Tuzak. Die königliche Familie wird angegriffen und der erste König Dajin stirbt. Die Gardistin Ramelusab versucht inmitten des Chaos zu überleben und ihre Pflicht gegenüber der Königsfamilie zu erfüllen. Allein während der Machtübernahme sterben laut Roman 143 Menschen; der anschließende Dajin II. hält sich gerade einmal 219 Tage auf dem Thron.

Doch die königliche Linie ist nicht vollständig ausgelöscht.

Fernab des Hofes wächst ein Junge namens Dajin bei seinen beiden Pflegevätern in Praiobab auf. Er hält sich lange für ein Findelkind und ahnt nichts von seiner eigentlichen Herkunft. Seine Jugend verläuft keineswegs harmonisch: Dajin leidet unter starken Stimmungsschwankungen, gerät in Prügeleien und fühlt sich zunehmend fehl am Platz.

Jahre später beginnen Anhänger der alten Königsfamilie nach dem verschwundenen Erben zu suchen. Die Spur ist nach Jahrzehnten beinahe vollständig erkaltet. Ramelusab und ihre Begleiter ziehen von Ort zu Ort, befragen Bewohner und versuchen herauszufinden, was aus dem Säugling geworden ist.

Schließlich kreuzen sich ihre Wege mit dem erwachsenen Dajin. Aus einem Mann, der in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist und zeitweise sogar in einer Mine landet, wird plötzlich der mögliche Erbe einer ganzen Königsdynastie.

Damit beginnt seine eigentliche Entwicklung: Dajin muss sich nicht nur mit seiner Abstammung auseinandersetzen, sondern innerhalb kürzester Zeit lernen, wie Adel, Politik, Religion und Macht auf Maraskan funktionieren. Vor seiner Krönung fühlt er sich zeitweise sogar wie ein Gefangener seiner eigenen Anhänger.

Parallel dazu untersucht Rondirai in der Gegenwart die Geschichte Dajin VII. und stößt dabei auf die hartnäckige Überzeugung vieler Maraskaner, ihr König sei noch immer am Leben.

Damit bildet der Roman weniger eine abgeschlossene Abenteuergeschichte als vielmehr die Grundlage einer größeren Erzählung über Dajins Leben. [SPOILER ENDE]

Szenendarstellung / Atmosphäre

Wer wissen möchte, warum Karl-Heinz Witzko und Maraskan so eng miteinander verbunden werden, findet in diesem Roman wahrscheinlich eine ziemlich gute Antwort.

Maraskan wirkt hier nicht einfach wie irgendeine exotische Insel im Osten Aventuriens. Die Region besitzt eine eigene Sprache, eigene Titel, eigene Vorstellungen von Herrschaft, eine eigene religiöse Philosophie und vor allem Menschen, die tatsächlich anders denken und sprechen als Bewohner des Mittelreichs.

Schon der Beginn mit den unzähligen Schmetterlingen an einem eigentlich abgestorbenen Baum ist typisch dafür. Witzko beschreibt nicht einfach Landschaft, sondern verbindet Naturbeobachtung unmittelbar mit maraskanischer Philosophie über Muster, Zukunft, Rur und Gror.

An anderer Stelle zeigt er, wie sehr sich selbst der Umgang mit den Zwölfgöttern unterscheidet. Praios ist auch auf Maraskan bekannt, wird aber aus dem Blickwinkel des Rur-und-Gror-Glaubens anders wahrgenommen. Im Anhang weist Witzko sogar ausdrücklich darauf hin, dass sich die Zuständigkeiten der Zwölfgötter im maraskanischen Kontext teilweise unterscheiden.

Für mich ist genau das eine große Stärke des Romans.

Man spürt ständig: Wir sind nicht im Mittelreich.

Selbst politische Titel folgen einer eigenen Logik. Ein Haran, Cherzak, Baruun oder Dschunkar ist nicht einfach nur ein „Graf“, „Fürst“, „Baron“ oder „Junker“ mit exotischem Namen. Die Begriffe tragen zum Gefühl einer eigenständigen Kultur bei. Der Roman liefert deshalb im Anhang sinnvollerweise sogar eine ausführliche Begriffserklärung.

Sehr gut gefallen haben mir auch die teilweise eigenwilligen Figuren. Maraskaner wirken bei Witzko weder wie verkleidete Mittelreicher noch wie eine homogene Gruppe skurriler Exoten. Sie besitzen eigene Ansichten, persönlichen Humor und manchmal eine Logik, die Außenstehende zunächst überhaupt nicht verstehen.

Gerade die Tagebuchabschnitte Rondirais funktionieren deshalb gut als Kontrast. Sie reist als mittelreichische Agentin auf die Insel und muss mehrfach feststellen, dass ihre Kategorien dort nur bedingt funktionieren. Dass sie beispielsweise plötzlich als „Haimamutter“ gilt, weil sich herumspricht, sie sammle Geschichten über Dajin, gehört zu diesen kleinen Details, durch die die Region lebendig wird.

Allerdings besitzt der Roman auch Passagen, die sich etwas ziehen.

Witzko liebt seine Region offensichtlich und möchte dem Leser möglichst viel davon zeigen. Das ist grundsätzlich eine Stärke, führt aber gelegentlich dazu, dass Gespräche, philosophische Betrachtungen oder Alltagsbeschreibungen etwas länger ausfallen, als sie für die eigentliche Handlung müssten.

Mich hat das jedoch selten dauerhaft gestört. Gerade wenn eine Passage etwas zäher wurde, folgte meist wieder eine interessante Begegnung oder ein neues Stück aus Dajins Vergangenheit.

Bei der Spannung hätte es für mich trotzdem etwas mehr sein dürfen. Der Einstieg mit dem Massaker im Königspalast ist stark und auch die Suche nach dem Erben besitzt reizvolle Momente. Später konzentriert sich der Roman aber stark auf Dajins persönliche und politische Entwicklung.

Das passt für einen ersten Teil einer Trilogie, lässt den Roman aber stellenweise eher wie eine Biografie aus Aventurien als wie einen klassischen Abenteuerroman wirken.

Fazit

„Tod eines Königs“ ist für mich vor allem ein Maraskan-Roman – und das ist eindeutig als Kompliment gemeint.

Man merkt beim Lesen sehr deutlich, dass Kalli Witzko diese Region geprägt hat wie kaum ein anderer Autor. Maraskan ist hier nicht einfach nur der Ort, an dem die Geschichte zufällig spielt. Die Insel ist praktisch selbst eine Hauptfigur.

Die Welt wird unglaublich lebendig dargestellt. Religion, Sprache, Landschaft, Politik und das alltägliche Denken der Menschen greifen ineinander. Gerade die einzigartigen Charaktere der Maraskaner wirken glaubwürdig, weil Witzko ihnen nicht einfach ein paar kuriose Sprüche in den Mund legt, sondern ihre Weltsicht konsequent ausspielt.

Es ist eben eine völlig andere Region als das Mittelreich – und das spürt man beim Lesen ständig.

Auch Dajins Entwicklung hat mir gut gefallen. Der zukünftige König beginnt eben nicht als glänzender Held oder geborener Herrscher, sondern als Findelkind beziehungsweise verlorener Erbe, der selbst lange überhaupt nicht weiß, wer er ist. Seine Pflegeväter, seine Freunde, seine Wutausbrüche, seine Beziehungen und sein Gefühl, nie vollständig in sein eigenes Leben zu passen, machen ihn zunächst sehr menschlich.

Gerade dadurch funktioniert der spätere Übergang zur politischen Figur.

Plötzlich soll dieser Mann, dessen Wissen über Maraskan im Wesentlichen aus seinem eigenen Dorf und seinem bisherigen Leben stammt, König einer ganzen Insel werden. Er kennt teilweise nicht einmal Orte, über die seine Berater selbstverständlich sprechen. In einer Besprechung muss ihm beispielsweise erst erklärt werden, welcher Fleck auf einer Karte überhaupt Maraskan darstellt.

Solche Szenen gefallen mir enorm, weil sie deutlich machen, dass eine königliche Abstammung eben noch keinen König macht.

Positiv ist außerdem die Verbindung mit der Gegenwart über Rondirais Tagebuch. Dadurch wird Dajin nicht nur zu einer historischen Figur, deren Lebensgeschichte wir verfolgen, sondern zu einem Mythos, der viele Jahrzehnte später noch immer Einfluss auf Maraskan besitzt.

Die eigentliche Story ist allerdings vergleichsweise überschaubar.

Das muss nicht grundsätzlich schlecht sein. Als erster Teil einer größeren Lebensgeschichte nimmt sich Witzko offensichtlich bewusst die Zeit, Figuren und Hintergründe aufzubauen. Trotzdem hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht. Nach dem starken Einstieg und einzelnen späteren Höhepunkten gibt es längere Abschnitte, in denen vor allem geredet, erklärt und entwickelt wird.

Manchmal zog sich der Text deshalb etwas. Zum Glück gingen diese Phasen für meinen Geschmack nie so lange, dass ich wirklich die Lust am Weiterlesen verlor.

Und genau hier liegt für mich der Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem guten Roman: Selbst wenn die Handlung gerade nicht besonders schnell voranschreitet, macht es Spaß, auf Maraskan zu bleiben.

Witzkos Sprache und die ungewöhnlichen Charaktere tragen den Roman.

Das macht Tod eines Königs allerdings möglicherweise auch etwas spezieller für Einsteiger. Man muss Maraskan nicht bereits kennen – schließlich enthält das Buch eine Zeittafel, Personenübersicht und sogar ein Glossar mit aventurischen Begriffen. Trotzdem dürfte ein Leser, der bereits etwas über Rur und Gror, die maraskanische Geschichte oder die besondere Gesellschaft der Insel weiß, noch etwas mehr aus der Geschichte herausholen.

Als Auftakt einer Trilogie funktioniert das Buch für mich insgesamt gut. Die Grundlagen sind gelegt, Dajin ist als Charakter etabliert und seine Geschichte hat gerade erst begonnen.

Erfahrungsgemäß sind zweite Teile einer Trilogie ja gerne einmal etwas durchwachsener. Ob das hier ebenfalls so sein wird, werde ich allerdings erst später erfahren. „Die beiden Herrscher“ folgt in der DSA-Romanreihe erst als Band 44 – bis dahin liegen also noch einige Bücher vor mir.

Ich bin trotzdem gespannt, wie Witzko Dajins Geschichte fortsetzt.

Unterm Strich ist „Tod eines Königs“ ein guter, manchmal etwas gemächlicher Roman, dessen größte Stärke eindeutig Maraskan selbst und die Entwicklung seines Hauptcharakters ist. Mehr Spannung und ein wenig Straffung hätten aus meiner Sicht noch mehr herausholen können. Wer allerdings verstehen möchte, warum Maraskan eine der außergewöhnlichsten Regionen Aventuriens ist, bekommt hier unglaublich viel geboten.

Für mich ein gelungener Start in die Geschichte König Dajins, vor allem getragen von Karl-Heinz Witzkos lebendiger Darstellung einer Region, die sich beim Lesen tatsächlich so anfühlt, als würde sie nach völlig eigenen Regeln funktionieren.

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