Der Schwertkönig
Seitenzahl: 330 Seiten
Autor: Hadmar von Wieser
Cover: Arndt Drechsler
Illustration: Ralf Hlawatsch
Region: Albernia, Kosch, Gareth, Königreich Garetien, Almada
Erschienen: 1998
Bei: Heyne
Buchnummer: R35
Erhältlich bei: Ulisses
Inhalt „Der Schwertkönig“
Raidri Conchobair gilt seit über dreißig Jahren als vollendeter Meister der Schwertkunst und als größter lebender Held Aventuriens.
Dies ist die offizielle Autobiographie des Schwertkönigs – aus der Feder von DSA-Altmeister Hadmar von Wieser.
— Klappentext des Werkes; zur Weiterverwendung siehe Ulisses-Disclaimer
Zusatzinformationen:
(SPOILER-Warnung) Der Autor Hadmar von Wieser äußerte sich in einem Facebook-Kommentar zur Darstellung der Szenen in denen die Figur Raidir Chonchobair regiert.
Dieser Roman stellt den ersten Band der Serie „Das Leben des Raidri Conchobair“ dar.
Bewertung der Redaktion
- Bewertung
Fazit
Mit „Der Schwertkönig“ von Hadmar von Wieser setze ich meine Reise durch die DSA-Romanreihe fort, denn mein Ziel ist es bekanntlich, irgendwann sämtliche Romane aus der Welt des Schwarzen Auges gelesen zu haben. Nachdem ich mich zuletzt mit „Tod eines Königs“ von Karl-Heinz Witzko auf die exotische Insel Maraskan begeben hatte, führt mich der inzwischen 35. Roman der Hauptreihe zurück ins Mittelreich und mitten hinein in das Leben einer der bekanntesten Persönlichkeiten Aventuriens: Raidri Conchobair. Der Schwertkönig ist sicherlich vielen DSA-Spielern ein Begriff, doch wie wurde er eigentlich zu jener Legende, die selbst Jahrzehnte später noch in den aventurischen Geschichtsbüchern verewigt ist? Besonders gespannt war ich auf die ungewöhnliche autobiografische Erzählweise, die sich von den bisherigen DSA-Romanen deutlich unterscheidet. Ob mich Hadmar von Wieser mit dieser persönlichen Lebensgeschichte überzeugen konnte und wie mir der Roman insgesamt gefallen hat, erfahrt ihr wie gewohnt am Ende dieser Rezension in meinem persönlichen Fazit.
Inhalt
„Der Schwertkönig“ ist der erste Teil des zweiteiligen Romanzyklus „Das Leben des Raidri Conchobair“, der mit dem 38. DSA-Roman „Der Dämonenmeister“ fortgesetzt wird. Autor Hadmar von Wieser widmet sich darin dem Leben eines Mannes, der in Aventurien als einer der größten Schwertkämpfer aller Zeiten gilt und dessen Name untrennbar mit zahlreichen bedeutenden Ereignissen der aventurischen Geschichte verbunden ist.
Anders als bei den meisten DSA-Romanen wird die Geschichte nicht aus der Sicht eines außenstehenden Erzählers geschildert. Stattdessen berichtet Raidri Conchobair selbst von seinem Leben, seinen Erlebnissen, Erfolgen und Niederlagen. Der Leser begleitet ihn somit nicht nur auf seinen Abenteuern, sondern erhält auch einen Einblick in seine Gedanken, Erinnerungen und persönlichen Ansichten.
Dabei beginnt die Erzählung lange vor seinen berühmten Heldentaten. Raidri berichtet zunächst über seine Familie, seine Herkunft und die Geschichte des Hauses Conchobair, bevor er seine Kindheit in Albernia, seine Ausbildung zum Krieger und schließlich die zahlreichen Abenteuer beschreibt, die ihn zu einer aventurischen Legende werden ließen.
Der Roman umfasst einen längeren Abschnitt seines Lebens und verbindet dabei persönliche Erlebnisse mit bedeutenden historischen Ereignissen. Dazu gehören seine Ausbildung an der Kriegerakademie, die Teilnahme an Turnieren, das berühmte Donnersturm-Rennen, die Eroberung Maraskans und die Auseinandersetzung mit gefährlichen Gegnern wie dem Riesenoger Arzuch.
Für DSA-Einsteiger bietet der Roman damit eine Gelegenheit, verschiedene Regionen, gesellschaftliche Strukturen und historische Ereignisse Aventuriens kennenzulernen. Erfahrene Spieler dürften dagegen vor allem daran Gefallen finden, bekannte Ereignisse aus der Perspektive eines Mannes zu erleben, der teilweise selbst entscheidend an ihnen beteiligt war.
Allerdings sollte man sich von Anfang an bewusst sein, dass man hier keine klassische Abenteuergeschichte mit einem durchgehenden Spannungsbogen erhält. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von Erinnerungen und Lebensabschnitten, die gemeinsam das Bild des berühmten Schwertkönigs zeichnen sollen.
Charakterbeschreibung
Raidri Conchobair – Der Schwertkönig
Im Mittelpunkt des Romans steht natürlich Raidri Conchobair selbst, der aus einer albernischen Adelsfamilie stammt und bereits früh eine außergewöhnliche Begabung für den Umgang mit Waffen zeigt. Geboren in Winhall, wächst er in einem Umfeld auf, in dem ritterliche Tugenden, Ehre, Mut und der Dienst an den Zwölfgöttern eine wichtige Rolle spielen.
Schon als Kind ist Raidri ausgesprochen selbstbewusst, ehrgeizig und von seinem eigenen Können überzeugt. Er möchte nicht einfach nur ein guter Krieger werden, sondern strebt danach, sich im Kampf zu beweisen und seinen Namen durch außergewöhnliche Taten bekannt zu machen.
Diese Eigenschaften begleiten ihn durch sein gesamtes Leben. Raidri sucht Herausforderungen, liebt den Wettkampf und scheut sich auch vor übermächtigen Gegnern nicht. Gleichzeitig besitzt er einen ausgeprägten Sinn für Ehre und Verantwortung, der besonders durch seine Erziehung geprägt wurde.
Interessant ist dabei seine Selbstdarstellung. Da Raidri seine Lebensgeschichte selbst erzählt, erfährt man natürlich vor allem, wie er sich selbst wahrnimmt und wie er seine eigenen Handlungen bewertet. Das eröffnet einerseits einen ungewöhnlich persönlichen Blick auf den Schwertkönig, führt andererseits aber dazu, dass seine außergewöhnlichen Fähigkeiten und Erfolge beinahe selbstverständlich erscheinen.
Raidri ist ein Held, der scheinbar jede Herausforderung meistern kann. Selbst in Situationen, in denen andere Krieger längst gescheitert wären, findet er einen Weg zum Sieg. Dadurch entsteht für mich allerdings ein Problem, auf das ich im Fazit noch genauer eingehen werde.
Fianna Conchobair – Die prägende Mutter
Raidris Mutter Fianna ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten seiner Kindheit. Sie hat selbst die Kriegerakademie „Rondras Ehre“ in Havena besucht und vermittelt ihrem Sohn schon früh jene Werte, die später sein gesamtes Leben bestimmen.
Fianna ist eine starke, selbstbewusste und ausgesprochen disziplinierte Frau, die von ihrem Sohn nicht nur körperliche Stärke, sondern auch Verantwortungsbewusstsein und Selbstbeherrschung erwartet.
Besonders eindrucksvoll ist ihre Einstellung zum Schmerz. Als sich Raidri bei einem seiner kindlichen Abenteuer verletzt, macht sie ihm deutlich, dass Schmerzen zwar zum Leben gehören, man sich von ihnen jedoch nicht beherrschen lassen darf.
Diese Erziehung erklärt einiges von Raidris späterem Verhalten. Seine Mutter hat ihm nicht nur beigebracht, wie man mit Waffen umgeht, sondern vor allem, was es ihrer Ansicht nach bedeutet, ein ehrenhafter Krieger und Adeliger zu sein.
Belfionn Conchobair – Der jüngere Bruder
Belfionn ist Raidris jüngerer Bruder und ein wichtiger Bestandteil seiner Kindheit. Die beiden wachsen gemeinsam auf und verbringen viel Zeit mit Spielen, Streifzügen und selbst ausgedachten Abenteuern.
Während Raidri häufig die führende Rolle übernimmt, orientiert sich Belfionn stark an seinem älteren Bruder. Die Beziehung der beiden zeigt eine familiäre und menschliche Seite des späteren Schwertkönigs, die zwischen seinen zahlreichen Heldentaten leicht in den Hintergrund geraten könnte.
Gerade diese frühen Erinnerungen sind interessant, weil Raidri hier noch nicht der berühmte Krieger ist, sondern ein Junge, der Verantwortung übernimmt, Freundschaften schließt und seine ersten Erfahrungen mit der Welt sammelt.
Aywen – Die fürsorgliche Amme
Aywen gehört ebenfalls zu den wichtigsten Bezugspersonen in Raidris früher Kindheit. Als seine Amme vermittelt sie ihm Wärme, Geborgenheit und die Liebe zur Natur.
Im Gegensatz zur strengen Fianna ist Aywen eine ausgesprochen herzliche Frau, die mit Geschichten, Liedern und einfachen Lebensweisheiten großen Einfluss auf Raidri nimmt.
Sie steht gewissermaßen für die menschliche Seite seiner Erziehung. Während seine Mutter ihm beibringt, Stärke und Verantwortung zu zeigen, vermittelt Aywen ihm Mitgefühl und Verständnis für einfache Menschen.
Dass Raidri später nicht nur für Kaiser und Könige kämpft, sondern sich auch für gewöhnliche Menschen einsetzt, führt er selbst teilweise auf ihren Einfluss zurück.
Zadig von Volterach – Eine wichtige Gestalt seiner Jugend
Zadig von Volterach ist mit einem einschneidenden Abschnitt in Raidris Kindheit verbunden. Sein Auftreten gehört zu jenen Ereignissen, die den Übergang von der unbeschwerten Jugend zu einer ernsteren Lebensphase markieren.
Für Raidris Entwicklung ist dieser Lebensabschnitt besonders wichtig, weil er erkennen muss, dass die Welt außerhalb seiner vertrauten Heimat nicht allein aus ritterlichen Spielen und kindlichen Abenteuern besteht.
Die Erfahrungen dieser Zeit tragen dazu bei, sein späteres Verhältnis zu Gefahr, Verlust und Verantwortung zu prägen.
Weitere Wegbegleiter und Persönlichkeiten
Im Laufe seiner Lebensgeschichte begegnet Raidri zahlreichen weiteren Figuren, die seine Entwicklung beeinflussen. Dazu gehören Ausbilder, adelige Persönlichkeiten, politische Entscheidungsträger, Kampfgefährten und natürlich verschiedene Gegner.
Bemerkenswert ist dabei, dass die meisten dieser Personen vor allem durch Raidris eigene Wahrnehmung dargestellt werden. Der Leser lernt sie also nicht unbedingt so kennen, wie sie tatsächlich sind, sondern so, wie Raidri sie in Erinnerung behalten hat.
Das passt zur autobiografischen Erzählweise, führt allerdings auch dazu, dass manche Nebenfiguren vergleichsweise wenig Eigenständigkeit erhalten. Sie erscheinen häufig als Menschen, die Raidris Lebensweg begleiten, seine Fähigkeiten herausfordern oder ihm Gelegenheit geben, seine ritterlichen Tugenden unter Beweis zu stellen.
Gerade hier hätte ich mir stellenweise etwas mehr Raum für andere Perspektiven gewünscht. Denn so interessant Raidri als Persönlichkeit auch sein mag, Aventurien lebt schließlich von seinen zahlreichen unterschiedlichen Charakteren, die nicht alle nur im Schatten des berühmten Schwertkönigs stehen sollten.
Connair Conchobair – Der Vater des Schwertkönigs
Connair Conchobair ist Raidris Vater und ein erfahrener Krieger, der seinem Sohn vor allem durch seine Tapferkeit und seine Treue zu Rondra als Vorbild dient. Obwohl er während Raidris Kindheit häufig abwesend ist, spielt er eine wichtige Rolle in dessen Entwicklung. Besonders eindrucksvoll ist sein Eingreifen bei den schrecklichen Ereignissen um Zadig von Volterach, als er mit seinem alten Bastardschwert Leifbrand gegen die finsteren Mächte kämpft. Dieses Schwert wird später auch Raidri führen und damit zahlreiche Abenteuer bestehen. Connair verkörpert somit jene ritterlichen Ideale und Familientraditionen, die Raidri auf seinem Weg zum legendären Schwertkönig begleiten.
Nacherzählung [SPOILER-WARNUNG]
Kindheit und Jugend in Albernia
Die Geschichte beginnt mit einem Rückblick auf die Herkunft der Familie Conchobair, deren Vergangenheit von kriegerischen Auseinandersetzungen, politischen Veränderungen und dem Verlust einstiger Macht geprägt ist. Raidri wächst auf einer alten Burg bei Winhall auf, wo er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Belfionn und anderen Kindern seine ersten Abenteuer erlebt.
Seine Kindheit endet jedoch auf tragische Weise. Mit dem Auftauchen des geheimnisvollen Zadig von Volterach wird Raidris Familie in Ereignisse verwickelt, die mit finsteren Mächten und dem Namenlosen in Verbindung stehen. Der Verlust seines Bruders und die schweren Folgen für seine Mutter hinterlassen tiefe Spuren. Raidri muss seine Heimat verlassen und beginnt einen neuen Lebensabschnitt.
Die Ausbildung zum Krieger
Am Fürstenhof in Havena erhält Raidri zunächst eine höfische Erziehung, bevor er seine Ausbildung an der Kriegerakademie fortsetzt. Schon während dieser Zeit zeigt sich sein außergewöhnliches Talent im Umgang mit Waffen.
Raidri entwickelt sich zu einem ehrgeizigen jungen Mann, der nicht nur seine Fähigkeiten verbessern, sondern sich auch mit anderen messen möchte. Nach dem Erhalt seines Kriegerbriefes sucht er zunehmend die Herausforderung außerhalb der Akademiemauern.
Seine Teilnahme an Turnieren und Wettkämpfen bringt ihm erste größere Erfolge ein. Besonders das Kaiserturnier und seine Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten des Mittelreichs tragen dazu bei, seinen Ruf als herausragender Schwertkämpfer zu begründen.
Das Donnersturm-Rennen und die großen Abenteuer
Ein bedeutender Wendepunkt ist Raidris Teilnahme am legendären Donnersturm-Rennen. Der Wettkampf stellt nicht nur seine kämpferischen Fähigkeiten, sondern auch seinen Mut und seine Entschlossenheit auf die Probe. Mit dem Donnersturm, dem göttlichen Streitwagen Rondras, wird sein Lebensweg endgültig mit einem der bedeutendsten Artefakte Aventuriens verbunden.
In den folgenden Jahren zieht Raidri durch verschiedene Regionen Aventuriens und erlebt zahlreiche Abenteuer. Er kämpft gegen gefährliche Gegner, beteiligt sich an kriegerischen Unternehmungen und begegnet immer wieder Menschen, die sein Leben beeinflussen.
Dabei verschlägt es ihn unter anderem nach Wajahd und schließlich nach Maraskan, wo er an der Eroberung der Insel durch Kaiser Reto teilnimmt. Hier zeigt sich neben seinem persönlichen Kampfesmut auch die politische und militärische Bedeutung seiner Taten.
Der Kampf gegen den Riesenoger Arzuch
Zu den eindrucksvollsten Ereignissen gehört die Auseinandersetzung mit dem Riesenoger Arzuch. Dieser Gegner stellt selbst für einen außergewöhnlichen Kämpfer wie Raidri eine gewaltige Bedrohung dar.
Die Konfrontation ist geprägt von roher Gewalt, körperlicher Anstrengung und der ständigen Gefahr, durch einen einzigen Fehler getötet zu werden. Gerade diese Szene verdeutlicht, warum Raidri in Aventurien einen beinahe übermenschlichen Ruf genießt.
Dennoch bleibt auch hier das Gefühl, dass der Schwertkönig selbst gegen einen derart gefährlichen Gegner letztlich einen Weg zum Erfolg finden wird.
Weitere Erlebnisse und der Weg zur Legende
Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen berichtet Raidri von seinen Liebesabenteuern, persönlichen Beziehungen und weiteren Aufgaben, die ihn durch Aventurien führen.
Die Ereignisse um die Blutzwillinge und schließlich Rondras Offenbarung bilden weitere wichtige Stationen seiner Lebensgeschichte. Der Roman endet damit nicht als vollständig abgeschlossene Biografie, sondern als erster großer Abschnitt im Leben des Schwertkönigs, dessen weitere Erlebnisse im zweiten Band „Der Dämonenmeister“ erzählt werden. [SPOILER ENDE]
Szenendarstellung / Atmosphäre
Eine der größten Stärken von „Der Schwertkönig“ ist für mich die Art und Weise, wie Hadmar von Wieser bestimmte Szenen beschreibt. Gerade bei den Kämpfen gelingt es ihm immer wieder, eine beeindruckende Atmosphäre aufzubauen, bei der man das Gefühl bekommt, unmittelbar neben Raidri zu stehen.
Besonders der Kampf gegen den Riesenoger Arzuch ist hierfür ein gutes Beispiel. Die gewaltige körperliche Überlegenheit des Gegners, die gefährlichen Angriffe und die Anstrengungen, denen Raidri ausgesetzt ist, werden sehr bildhaft geschildert. Man kann sich regelrecht vorstellen, wie der Boden unter den schweren Schritten des Ogers erbebt und welche zerstörerische Kraft hinter seinen Angriffen steckt.
Auch das Donnersturm-Rennen und die kriegerischen Auseinandersetzungen auf Maraskan profitieren von dieser Erzählweise. Wenn Raidri mit dem göttlichen Streitwagen durch die Reihen seiner Gegner fährt, entsteht eine beinahe epische Atmosphäre. Hadmar von Wieser versteht es hier, den besonderen Stellenwert des Donnersturms und die religiöse Bedeutung Rondras mit den unmittelbaren Gefahren des Schlachtfeldes zu verbinden.
Aventurien aus den Augen eines Helden
Interessant ist auch die Beschreibung der verschiedenen aventurischen Regionen. Raidri besucht zahlreiche Orte, die erfahrenen DSA-Spielern bekannt sein dürften. Dabei schildert er nicht nur die Landschaften, sondern auch die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit.
Gerade seine Kindheit in Albernia vermittelt ein schönes Bild vom Leben eines jungen Adeligen. Die alte Burg, die Wälder um Winhall, das Leben der einfachen Bevölkerung und die höfischen Verpflichtungen werden ausführlich dargestellt. Dadurch entsteht ein glaubwürdiger Eindruck davon, wie Raidri aufgewachsen ist und welche Werte ihn geprägt haben.
Später verändert sich die Atmosphäre deutlich. Die Ausbildung zum Krieger, die großen Turniere und schließlich die militärischen Feldzüge zeigen ein Aventurien, in dem Ehre, Macht und persönliche Stärke eine entscheidende Rolle spielen.
Allerdings steht dabei immer Raidri selbst im Mittelpunkt. Die Welt wird fast ausschließlich danach beurteilt, welche Bedeutung sie für seine eigene Lebensgeschichte besitzt. Das ist für eine Autobiografie durchaus nachvollziehbar, lässt andere Persönlichkeiten und Ereignisse aber manchmal etwas blass erscheinen.
Zwischen Heldensage und persönlicher Erinnerung
Die autobiografische Erzählweise ist sicherlich das größte Alleinstellungsmerkmal dieses Romans. Raidri spricht den Leser gewissermaßen direkt an und berichtet von seinen Erlebnissen, als würde man einem alten Krieger zuhören, der am Kamin von seinen zahlreichen Abenteuern erzählt.
Das funktioniert an vielen Stellen ausgesprochen gut. Besonders dann, wenn Raidri über seine Kindheit, seine Familie oder persönliche Verluste spricht, entsteht eine Nähe zur Hauptfigur, die bei einer gewöhnlichen Erzählweise vielleicht nicht in dieser Form möglich gewesen wäre.
Gleichzeitig ergibt sich daraus jedoch eine gewisse Einseitigkeit. Raidri ist schließlich nicht nur der Erzähler, sondern auch der Held seiner eigenen Geschichte. Er bestimmt, welche Ereignisse er hervorhebt, wie er seine Entscheidungen rechtfertigt und welches Bild der Leser von ihm erhält.
Das führt dazu, dass manche seiner Heldentaten beinahe zu glatt erscheinen. Selbst wenn die Ausgangslage noch so gefährlich ist, vermittelt die Erzählung häufig das Gefühl, dass Raidri ohnehin als Sieger hervorgehen wird.
Gerade bei einem Roman, der von einem außergewöhnlichen Kämpfer handelt, ist das für mich problematisch. Ein Held wird schließlich nicht allein dadurch interessant, dass er seine Gegner besiegt, sondern auch durch seine Schwächen, Zweifel und Niederlagen.
Die problematische Darstellung sexualisierter Gewalt
Eine Szene verdient eine gesonderte Betrachtung: die Vergewaltigung einer Diebin durch Raidri Conchobair. Sie gehört zu den umstrittenen Stellen des Romans und wirft Fragen darüber auf, wie der Schwertkönig als Held dargestellt wird.
Ich wusste bereits vor dem Lesen, dass eine solche Szene vorkommt, und war deshalb gespannt, wie Hadmar von Wieser sie literarisch umsetzte und warum sie so häufig diskutiert wurde. Während des Lesens empfand ich die Passage zunächst allerdings als weniger auffällig, als ich es aufgrund der Diskussionen erwartet hatte.
Das lag auch daran, dass ich die Reaktionen der betroffenen Frau offenbar falsch interpretiert hatte. Zeitweise entstand bei mir der Eindruck, sie könnte Gefallen an dem Geschehen gefunden haben. Rückblickend halte ich diese Lesart jedoch für problematisch. Eine vermeintlich positive körperliche Reaktion oder eine uneindeutige Schilderung bedeutet schließlich keineswegs, dass Einverständnis vorliegt.Für mich in der Realität nachvollziehbar, aber in einem Fantelalter-Roman vielleicht anders.
Wichtig ist mir deshalb ausdrücklich, dass ich die Tat keinesfalls verharmlosen möchte. Vielmehr zeigt diese Szene, wie schwierig die Wahrnehmung eines Geschehens werden kann, wenn es ausschließlich aus der Perspektive des Täters geschildert wird.
Die Diskussion um diese Passage und Hadmar von Wiesers eigene Stellungnahme dazu sind für mich deshalb wichtige Bestandteile der Auseinandersetzung mit dem Roman. Gerade weil Raidri ansonsten häufig als ehrenhafter und nahezu unfehlbarer Held erscheint, hätte ich mir eine deutlich kritischere Einordnung seines Handelns innerhalb der Erzählung gewünscht. Hadmar meint, dass Raidri begann vom Weg abzukommen, sein Handeln zu hinterfragen, um letztendlich wieder auf dem rechten Weg zu gelangen. Das kam mir beim Lesen nicht so heraus.
Für mich bleibt diese Szene damit ein problematischer Bestandteil des Buches, der nicht einfach durch Raidris sonstige Heldentaten aufgewogen werden kann, auch wenn ich sie selber nicht so extrem empfunden habe.
Fazit
„Der Schwertkönig“ von Hadmar von Wieser ist für mich ein ungewöhnlicher DSA-Roman, der sich vor allem durch seine autobiografische Erzählweise von den bisherigen Büchern der Reihe unterscheidet. Raidri Conchobair erzählt seine eigene Lebensgeschichte, wodurch man als Leser einen sehr persönlichen Einblick in die Gedanken und Erinnerungen einer der bekanntesten Persönlichkeiten Aventuriens erhält. Diese Art der Erzählung fand ich zunächst richtig interessant, da sie sich deutlich von den klassischen DSA-Abenteuergeschichten abhebt.
Besonders positiv sind mir die atmosphärisch dichten und bildhaften Beschreibungen einzelner Szenen in Erinnerung geblieben. Gerade die Kämpfe, allen voran die Auseinandersetzung mit dem Riesenoger Arzuch, werden von Hadmar von Wieser eindrucksvoll dargestellt. Aber auch die Kindheit Raidris, seine Ausbildung und die verschiedenen Regionen Aventuriens vermitteln ein lebendiges Bild der damaligen Zeit. Hier merkt man deutlich, dass der Autor mit der aventurischen Geschichte bestens vertraut ist.
Mein größter Kritikpunkt ist allerdings die für meinen Geschmack zu positive Selbstdarstellung Raidris. Natürlich handelt es sich um den berühmten Schwertkönig, der als einer der besten Kämpfer Aventuriens gilt. Dennoch empfand ich ihn stellenweise beinahe als eine Art Superman, der scheinbar jede noch so schwierige Situation meistern kann. Selbst seine körperliche Schwachstelle, das linke Bein beziehungsweise der Oberschenkel, reicht für mich nicht aus, um ihn wirklich verletzlich erscheinen zu lassen. Dadurch fehlte mir gerade bei den gefährlichsten Auseinandersetzungen häufig die Spannung, weil ich mir immer wieder dachte: „Ach, das schafft der doch sowieso wieder!“
Auch die umstrittene Vergewaltigungsszene möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ich hatte bereits vor dem Lesen davon gehört und war deshalb auf eine besonders prägnante Passage eingestellt. Tatsächlich nahm ich sie beim Lesen zunächst anders wahr und interpretierte die Reaktion des Opfers offenbar falsch. Das ändert selbstverständlich nichts an der Schwere der Tat. Gerade bei einer Figur, die ansonsten so stark als ehrenhafter Held dargestellt wird, hätte ich mir hier eine kritischere Auseinandersetzung mit ihrem Verhalten gewünscht.
Insgesamt schwankt der Roman für mich zwischen wirklich immersiven, spannenden Momenten und längeren Passagen, die aufgrund von Raidris beinahe grenzenloser Überlegenheit etwas langweilig wirken. Auch wenn seine Lebensgeschichte viele interessante Stationen umfasst und historisch interessant ist, fehlt mir gelegentlich das Gefühl, dass der Schwertkönig tatsächlich einmal scheitern könnte. Etwas mehr Selbstkritik, echte Schwächen und überraschende Wendungen hätten der Geschichte gutgetan.
Dennoch ist „Der Schwertkönig“ gerade für DSA-Interessierte eine lesenswerte Lektüre, da man nicht nur Raidri Conchobair besser kennenlernt, sondern auch zahlreiche wichtige Ereignisse der aventurischen Geschichte aus seiner persönlichen Sicht erlebt. Als früher Roman von Hadmar von Wieser ist das Werk durchaus gelungen, auch wenn mich sein anderer Roman „Der Lichtvogel“ erzählerisch stellenweise mehr überzeugen konnte.
Ich vergebe daher 3,5 von 5 Sternen. Für Fans des Schwertkönigs und Leser, die sich intensiver mit der aventurischen Geschichte beschäftigen möchten, ist das Buch durchaus empfehlenswert. Mich persönlich konnte es jedoch nicht durchgehend fesseln. Umso gespannter bin ich auf den zweiten Teil der Lebensgeschichte, „Der Dämonenmeister“, dem ich mich mit Roman Nummer 38 etwas später widmen werde. Natürlich werde ich auch darüber wieder berichten und bin neugierig, ob Hadmar von Wieser Raidri dort vielleicht noch etwas mehr menschliche Schwächen zugesteht.
Bildquellen
- CREATOR: gd-jpeg v1.0 (using IJG JPEG v62), quality = 50: Arndt Drechsler © Alle Rechte vorbehalten. ©Heyne Alle Rechte vorbehalten.


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